Proteste gegen Urteil im Fall Trayvon Martin in 100 US-Städten

19. Juli 2013, 23:15
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Auch Eltern des erschossenen Jugendlichen bei Kundgebungen dabei. Präsident Obama hatte sich erstmals zum Freispruch geäußert

Washington - Die USA-weiten Proteste gegen das Urteil im Fall Trayvon Martin haben am Samstag mit einer Massenversammlung in Miami begonnen. Im Laufe des Tages wurden dort und in mehr als 100 weiteren Städten wie Chicago, New York und Los Angeles tausende Demonstranten erwartet, die vom kirchlichen Bürgerrechtler Al Sharpton mobilisiert worden waren.

Die Demonstrationen schickten "eine Botschaft über das ganze Land, dass wir nicht die Füße still halten werden", sagte Martins Vater Tracy dem Fernsehsender CNN. Die Mutter des unbewaffneten Buben, der von einem Nachbarschaftswächter erschossen worden war, wollte ihrerseits an einem Protestmarsch durch New York teilnehmen.

Obama sprach erstmals über Freispruch

Am Vorabend hatte sich US-Präsident Barack Obama erstmals seit dem umstrittenen Freispruch sehr persönlich vor der Kamera geäußert. "Das hätte ich vor 35 Jahren sein können", sagte Obama über den in Florida erschossenen Jugendlichen.

Der Freispruch in dem Fall verursache bei der Schwarzen Community deswegen Schmerz, weil die meisten "auf bestimmte Erfahrungen und eine Geschichte zurückblicken, die nicht einfach weggeht", so der US-Präsident bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus.

Frauen umklammern Handtaschen

Schwarze Männer in den USA seien es gewohnt, dass man sich vor ihnen fürchte, sagte Obama weiter. Viele Afroamerikaner hätten schon erlebt, dass man ihnen in Einkaufszentren folgte oder Frauen im Lift nervös ihre Handtasche umklammerten und die Luft anhielten, nur weil ein Schwarzer in der Nähe war. Er selbst habe diese Erfahrungen gemacht, zumindest bevor er Senator geworden war.


Die zitierte Passage beginnt bei Minute 2:20.

Er will diese Beobachtungen zwar nicht übertreiben, so der US-Präsident, aber solche Erfahrungen spielen in der schwarzen Community eine Rolle. Vor allem auch dabei, wie die Vorgänge in einer Nacht in Florida interpretiert werden. Obama spielte damit auf den Abend des 26. Februar 2012 an, als Trayvon Martin vom Bürgerwehrmitglied George Zimmerman erschossen worden war.

"Die afroamerikanische Community weiß auch, dass es ein ethnisches Missverhältnis bei der Anwendung unseres Strafrechts gibt", sagte Obama. Das reiche von der Todesstrafe bis zur Vollstreckung der Drogengesetze. Und all das habe eben Auswirkungen darauf, wie der Fall Trayon Martin aufgenommen werde.

Eltern zeigten sich dankbar

Die Eltern des getöteten Jugendlichen reagierten gerührt. "Die Erklärung des Präsidenten gibt uns große Kraft in dieser Zeit", teilten sie in einer Erklärung mit. Sie seien dankbar für die Gebete Obamas und seiner Frau Michelle.

Zimmerman, Sohn einer peruanischen Mutter und eines weißen US-Bürgers, hatte den 17-jährigen Martin erschossen, während er als Mitglied einer Bürgerwehr in Florida auf Patrouille war. Ein Geschworenengericht in Sanford sprach ihn vom Vorwurf des Mordes und Totschlags frei. Zimmerman hatte in dem Prozess stets beteuert, aus Notwehr gehandelt zu haben. (APA/red, derStandard.at, 20.7.2013)

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    Tracy Martin, der Vater des erschossenen Trayvon Martin, nahm am Protestmarsch in Miami teil.

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    Eine Woche nach dem Freispruch wurde in 100 US-Städten - wie hier in Oakland - demonstriert.

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    Präsident Obama hatte sich am Freitag erstmals zum Urteil im Fall Trayvon Martin geäußert.

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