"Gesundgeschrieben"

19. Juli 2013, 18:21
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Er bedankt sich für eine "launige Sendung", und man möchte eigentlich nur noch eines: sich betrinken

Wir müssen über Alkohol reden. "Nicht schon wieder!", stöhnen Sie jetzt. Es ist Wochenende, Sekt beim Brunch ist schon bestellt, da kommt das Thema Alkoholproblematik nun wirklich ungünstig. Wenn es auch noch um Markus Lanz gehen soll, sagen Sie gleich: "Den kann ich mir eh nicht nüchtern anschauen!" Aber da müssen wir jetzt durch. Also der Reihe nach.

Jenny Elvers-Elbertzhagen war zu Gast bei ebenjenem Markus Lanz auf ARD. Die Alkoholkrankheit von Frau Elvers wurde monatelang in der Öffentlichkeit - man kann es so sagen - exerziert. Da Intimität damit faktisch aufgelöst ist, scheint es für Lanz auch selbstverständlich, lediglich von "Jenny" zu reden und sie gleichzeitig höflich zu siezen. "Ich war picke-packe-voll!", erklärt Jenny ihren letztjährigen Auftritt in der Sendung Das! im NDR, in der sie lallend und wankend auf dem Sofa saß. Mit roten Lippen stellt sie dann wichtige Fragen: "Wieso ist Alkohol überall verfügbar und so gesellschaftsfähig?" Sie wirkt wie das schlechte Gewissen, das alle ernst nehmen, aber doch belächeln. Ohne Alkohol, wo wären wir denn da?

Ex-Politiker und nordischer Lebemann Peter Harry Carstensen sorgt sogleich für Auflockerung: "Wir trinken nicht Alkohol, um besoffen zu werden, sondern weil uns das gut schmeckt!"

Man fragt sich, ob Frau Elvers keine Wahl hat, als sich schnellstmöglich wieder der Umgebung auszusetzen, die auch Ursache ihrer Misere ist.

Am Ende sagt sie noch, sie sei jetzt "gesundgeschrieben". Aber nicht, ob von Onkel Doc oder von Onkel Boulevard. Markus Lanz bedankt sich für eine "launige Sendung", und man möchte eigentlich nur noch eines: sich betrinken. (Simon Weyer, DER STANDARD, 20./21.7.2013)

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