Hütter: "Ich weiß, dass damit nicht alle eine Freude haben"

19. Juli 2013, 18:33
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Aufsteiger Grödig fliegen die Sympathien nicht zu. Trainer Adi Hütter beschäftigt sich lieber mit Fußballthemen

Wien/Grödig - Ob die Zufahrtsstraße zur Untersbergarena rechtzeitig fertig wird, entzieht sich der Kenntnis von Adi Hütter. Abgesehen davon ist es dem Trainer des SV Scholz Grödig "ziemlich egal. Ich beschäftige mich mit Dingen, die ich beeinflussen kann." Das Stadion wurde immer noch erreicht, und so oft sieht es die Mannschaft auch wieder nicht. Denn die tägliche Arbeit wird im Sportzentrum Rif verrichtet. "Dort herrschen ideale Bedingungen."

Der Aufsteiger wird nicht gerade mit Vorschusslorbeeren bedacht, "den hat der österreichische Fußball dringend gebraucht", heißt es. Keine Fans, keine Tradition, kein Charisma, die Zuschauertribünen muss man erst einmal finden. Hütter entgegnet: "Wir haben uns sportlich souverän qualifiziert. Ich weiß, dass damit nicht alle eine Freude haben. Fakt ist, dass im Verein gut gearbeitet wird und dass er finanziell keine Probleme hat. Im Gegensatz zu manchen Traditionsklubs. Grödig soll mehr als eine kurze Abenteuergeschichte sein." Das Dorf will sich als zweites fußballerisches Standbein im Bundesland Salzburg etablieren. Hinter Red Bull. Weit hinter Red Bull. Hütter: "Wir haben eine gute Nachwuchsarbeit. Kinder aus der Umgebung, die bei Red Bull keine Chance haben, wollen wir auffangen. Grödig ist das Sprungbrett auf dem Weg nach oben."

Schrott und Lampenfieber

Toni Haas, ein äußerst erfolgreicher Schrotthändler, hat sich die Geschichte nicht nur eingebildet, er hat sie umgesetzt. Sein Sohn Christian führt die Geschäfte. Papa Haas hatte schon vor Jahren laut geträumt, als er sagte: "Irgendwann soll der Mannschaftsbus von Rapid vor unserem Stadion parken. Nicht, weil wir Rapid eingeladen haben. Sondern weil Rapid kommen muss." Rein theoretisch wäre natürlich auch der Abstieg der Hütteldorfer eine Lösung gewesen, aber die strebten weder Haas noch die Wiener an. Am Samstag parkt zunächst einmal der Bus von Ried vor der Untersbergarena. Die Zufahrtsstraße wird schon nicht unter der Last bersten. Hütter nennt Haas einen "Idealisten, der Visionen umsetzt und Ziele im Kopf hat".

Ried sei ein erster Maßstab: "Wir sind aufgeregt, haben Lampenfieber, die Vorfreude ist groß. Es wird spannend, ob die Anpassung klappt." Prinzipiell sei, so Hütter, "der Unterschied zwischen der Ersten und der tipp3-Liga kleiner geworden. "Wenn man will, ist das bedenklich."

Gewisse Distanz

Hütter ist seit einem Jahr im Amt. Der 43-jährige Vorarlberger, der 14-mal im Nationalteam kickte und in den Neunzigern mit Austria Salzburg dreimal Meister wurde, will sich selbst nicht groß charakterisieren. "Ich liebe und lebe Disziplin. Ich fördere und fordere." Zu seinen Spielern hält er eine "gewisse Distanz. Ich bin nicht ihr Freund, habe trotzdem eine soziale Kompetenz. Ich suche den Erfolg, meide den Misserfolg."

Grödig solle "guten Fußball spielen", sich einen Wiedererkennungswert erarbeiten. Zuletzt hatten die Aufsteiger überraschend geringe Anpassungsprobleme. Die Admira wurde sogar Dritter. In der abgelaufenen Saison hatte Wolfsberg bis zur letzten Runde sogar die Chance auf die Europa League, wurde Fünfter. Hütter baut auf dieses Phänomen. "Ich denke, wir machen eine gute Figur." Das Budget beträgt rund vier Millionen Euro, die Stars sind keine, sie heißen Thomas Salamon, Sascha Boller oder Dieter Elsneg.

Im Cup ist Grödig gescheitert. Am traditionsreichen Regionalligaklub Austria Salzburg. Im Elferschießen. Rapid hat es bekanntlich gegen den traditionsreichen Regionalligisten LASK erwischt. Auch im Elferschießen. Der Unterschied dürfte also gering sein. Und der Bus parkt mindestens zweimal vor der Untersbergarena. Hütter: "Es wird keine kurze Abenteuergeschichte." (Christian Hackl, DER STANDARD, 20./21. Juli 2013)

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    Im Mai wurde der souveräne Aufstieg fixiert und Meistertrainer Adi Hütter von den Spielern geschupft. Der SV Grödig beginnt heute, Samstag, gegen Ried das Abenteuer Oberhaus.

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