Die bisher dickste Beute der Pleitegeier

19. Juli 2013, 17:22
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Detroits Finanzkollaps stellt bisherige Stadtinsolvenzen in den Schatten

Immerhin, Detroit steht nicht allein dar: In den vergangenen 60 Jahren haben rund 50 US-amerikanische Städte so wie die Autometropole einen Insolvenzantrag bei Gericht nach "Chapter 9" eingebracht. Ziel dieses während der Großen Depression entwickelten Verfahrens ist es zunächst, eine zahlungsunfähige Stadt vor Klagen von Gläubiger zu schützen. Mithilfe des Gerichtes wird zugleich versucht, eine Restrukturierung der Schulden zu erreichen. Zumeist geschieht dies, indem Zahlungsfristen verlängert werden oder der Stadt ein Teil der Schulden erlassen wird.

Im Falle Detroits erwarten Experten allerdings langwierige Verhandlungen. Die bisher größte Pleite nach "Chapter 9" war jene von Jefferson County in Alabama, 2011. Der damalige Schuldenstand der kleinen Gemeinde mutet mit vier Milliarden Dollar im Vergleich zur Finanzlast Detroits (18 Milliarden Dollar) bescheiden an. Detroit ist mit seinen 700.000 Einwohnern zudem die größte Stadt, die je ein Insolvenzverfahren beantragt hat. Bisher hatte Stockton in Kalifornien mit seinen 300.000 Einwohnern diesen Titel.

Streit mit Geldgebern

Detroit hat zudem bereits im Juni Zinszahlungen an Investoren eingestellt, die der Stadt kommunale Anleihen abgekauft hatten. Der Insolvenzverwalter der Stadt, Kevyn Orr, hatte wochenlang vergebens versucht, eine Schuldenreduktion mit den Gläubigern direkt auszuhandeln. Verkomplizierend kommt hinzu, dass bei einer Entschuldung nach "Chapter 9" nicht nur Investoren auf Ansprüche verzichten müssen. Auch bei Pensionisten und Beamten wird gespart.

So etwa im Falle von Central Falls: Die kleine Stadt in Rhode Island ging 2011 pleite, im Zuge der Sanierung wurden Beamtenpensionen um bis zu 50 Prozent gekürzt. Vorsorglich meldete sich am Freitag bereits die Beamtengewerkschaft Detroits zu Wort und warnte die Stadtregierung davor, sich über Kürzungen bei den Beamten zu sanieren. Positiver sieht die Aktion die Handelskammer der Stadt, die auf ihrer Webseite den Insolvenzantrag ausdrücklich begrüßte: Nur mit einer Entschuldung werde Detroit den finanziellen Neubeginn schaffen, hieß es in der Mitteilung. (szi, DER STANDARD; 20.7.2013)

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