Legendärer Goalie Trautmann gestorben

19. Juli 2013, 19:50
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Deutscher Ex-Manchester-City-Goalie absolvierte FA-Cup-Finale 1956 mit Genickbruch

Der 5. Mai 1956 änderte alles im Leben des Bernhard Carl Trautmann, den alle nur Bert riefen. Im FA-Cup-Finale prallte der deutsche Torhüter von Manchester City fürchterlich mit Birminghams Stürmer Peter Murphy zusammen. Sein Genick brach, doch Trautmann spielte weiter, der Bewusstlosigkeit nahe. Er führte sein Team mit Glanzparaden zum Sieg - und wurde zur Legende. Am Freitag nun, ist Trautmann im Alter von 89 Jahren in seiner spanischen Wahlheimat in Almenara Playa gestorben.

"Bert Trautmann war ein großartiger Sportler und wahrer Gentleman. Seine außergewöhnliche Karriere wird für immer in den Geschichtsbüchern bleiben", sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in einer ersten Reaktion. Trautmann erlitt in diesem Jahr bereits zwei Herzinfarkte, hatte diese aber offenbar gut überstanden.

Vom Kriegsgefangenen zur Legende

"Seine" Geschichte erzählte Trautmann in den vergangenen Jahren nur noch ungerne, weil er sie schon zu häufig zum Besten gegeben hatte. "Meine Güte, habe ich da immer gedacht: Das bleibt nun von 15 Jahren und über 600 Spielen, eine Szene", sagte er dann. Wembleystadion, 5. Mai 1956, FA-Cup-Finale, ManCity gegen Birmingham, 3:1. Eine Flanke in den Fünfmeterraum, Trautmann stürmt waghalsig aus seinem Tor und wird mit voller Wucht von Murphys Knie getroffen. Der Keeper schwankt, taumelt, stolpert rückwärts, fasst sich an den Hals. Ein Krawattenträger im Trenchcoat muss den baumlangen Kerl aus Bremen stützen.

Als die Queen ihm später gratuliert und Prinz Philip sich nach dem Befinden erkundigt, meinte Trautmann gelassen: "Ich habe einen steifen Hals." Rund 50 Jahre später steht er bei einem Staatsempfang wieder vor der Königin, doch diese erkennt ihn nicht. "I'm the player who broke his neck", sagt Trautmann, und Elizabeth II. antwortet: "Yes, now I know."

Falschirmspringer in der Nazi-Wehrmacht, erlebte er das Ende des zweiten Weltkrieges im Kriegsgefangenencamp 180 in Cheshire. Die Überstellung dorthin habe ihn "von einer Zentnerlast befreit, weil ich dort nicht mehr getötet werden konnte", erinnerte sich Trautmann. Ein Repatriierungsangebot schlug er später aus, er wollte in England bleiben.

Als Spieler von St. Helens wurde er von Manchester entdeckt und unterschrieb 1949 für die Citizens. Doch die Fans liefen Sturm gegen die Verpflichtung des Deutschen: "40.000 gingen damals auf die Straße", sagte er, er wurde von der Tribüne aus bespuckt, der Rabbi von Manchester musste zur Mäßigung aufrufen. Heute ist eine Stiftung nach ihm benannt - sie soll Engländer und Deutsche zusammenbringen. 

"Traut the Kraut"

Trautmann selbst wurde 2004 Officer of the Order of the British Empire, ehrenhalber. Er ist zudem neben Jürgen Klinsmann der einzige Deutsche, der Englands "Fußballer des Jahres" (1956) wurde.  "Berts Aufstieg zur Legende ist im Fußball vielleicht einmalig", hieß es am Freitag auf der Website von Manchester City. Der Keeper war 545-mal für ManCity aufs Feld gelaufen, 2007 wählten die Fans "Traut the Kraut" zum besten Spieler der Vereinsgeschichte.

"Bert war eine wahre Klub-Legende im besten Sinne des Wortes. Er war einer der großartigsten City-Torhüter aller Zeiten und ein wunderbarer Botschafter, nicht nur für sein Land, sondern auch für Manchester City", schrieb der Klub weiter. "Bert wird von jedem, der ihn kannte, und von der gesamten Fußball-Welt schmerzlich vermisst werden."  (sid/red - 19.7.2013)

  • Mitspieler helfen ihrem Keeper nach dem Sieg im FA Cup vom Feld, da ahnte noch niemand etwas von dessen lebensbedrohender Verletzung.
    foto: ap

    Mitspieler helfen ihrem Keeper nach dem Sieg im FA Cup vom Feld, da ahnte noch niemand etwas von dessen lebensbedrohender Verletzung.

  • Bert Trautmann beobachtet das Geschehen in einem Freundschaftsspiel gegen den FSV Frankfurt im Frankfurter Waldstadion.
    foto: dpa

    Bert Trautmann beobachtet das Geschehen in einem Freundschaftsspiel gegen den FSV Frankfurt im Frankfurter Waldstadion.

  • 2004 wird dem Bremer ehrenhalber der Titel "Officer of the Order of the British Empire" verliehen.
    foto: apa/epa

    2004 wird dem Bremer ehrenhalber der Titel "Officer of the Order of the British Empire" verliehen.

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