Neuer Journalisten-KV: Gewerkschaft ortet "rechtswidriges Vorgehen"

19. Juli 2013, 15:16
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Angesichts der Unstimmigkeiten bei der Umsetzung werden rechtliche Schritte geprüft - Herausgeber versuchen "den neuen Kollektivvertrag zu unterwandern" - VÖZ wehrt sich gegen Vorwürfe

Wien - Ein "rechtswidriges Vorgehen" seitens einiger Mitgliedermedien des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ) ortet die Journalistengewerkschaft bei der Umsetzung des neuen Kollektivvertrags. Am Freitag wurde deshalb bei einer Betriebsrätekonferenz in Wien beschlossen, "rechtliche Schritte zur korrekten Umsetzung des Kollektivvertrags zu prüfen", wie Gewerkschaftsvorsitzender Franz C. Bauer in einer Aussendung erklärte. Beim VÖZ wies man die Vorwürfe zurück.

Falsche Einstufungen

Konkret stören die Gewerkschaft Versuche, durch falsche Einstufungen oder Einzelvereinbarungen "den neuen KV zu unterwandern". So würden laut Gewerkschaft freie Mitarbeiter teils falsch eingestuft und Vordienstzeiten nicht korrekt angerechnet oder durch die Umstellung sich ergebende Überzahlungen in neuen Verträgen als Überstundenpauschalen deklariert, was zu höheren Stundenleistungen führen würde. "Die Unstimmigkeiten bei der Umsetzung häufen sich leider", so Bauer.

Aktionen

Die Betriebsräte beschlossen weiters, jeden einzelnen Verstoß mit der Journalistengewerkschaft zu besprechen, "um gemeinsam geeignete betriebliche und öffentliche Aktionen vorzubereiten", wie es hieß. Das kann von Betriebsversammlungen bis zur Einberufung des Gewerkschaftspräsidiums reichen, sagte Bauer, Der Gewerkschaftsvorsitzende bekräftigte außerdem erneut den Aufruf an die Kollegen, "neue Verträge, die vorgelegt werden, genau anzuschauen und vom Betriebsrat oder der Gewerkschaft" prüfen zu lassen.

 VÖZ wehrt sich gegen Vorwürfe

Kritik an der Resolution der Betriebsräte kam unterdessen von VÖZ-Geschäftsführer Gerald Grünberger, der darin "pauschale Verurteilungen einer ganzen Branche" sieht. Stattdessen forderte er die Gewerkschaft auf, die "angeblichen Verfehlungen" dem VÖZ zu übermitteln, um diese Fälle "auch konkret prüfen" zu können. Dagegen wehrte sich Bauer mit dem Argument, dass man die betroffenen Kollegen nicht zusätzlich exponieren wolle. "Ich frage mich, ob das ernst gemeint ist. Das ist doch unglaublich", so Bauer. Über die einzelnen Fälle sei man jedenfalls genauestens informiert.

Grünberger hob indes die Vorteile des neuen KV hervor: "Insgesamt profitieren mehr als 400 zusätzliche Journalisten von den neuen Bestimmungen", manche würden zudem "auf einen Schlag bis zu 40 Prozent mehr Gehalt" erhalten. Gerade angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage sei dies eine beachtliche Steigerung. "Kaum eine andere Branche bietet ihren Mitarbeitern so großzügige Urlaubszeitregelungen und einen derart weitreichenden Kündigungsschutz wie Österreichs Zeitungen", betonte Grünberger. (APA, 19.7.2013)

  • Franz C. Bauer: "Die Unstimmigkeiten bei der Umsetzung häufen sich leider".
    foto: apa/herbert pfarrhofer

    Franz C. Bauer: "Die Unstimmigkeiten bei der Umsetzung häufen sich leider".

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