Gratiswasser: "Ein Zeichen der Gastlichkeit"

19. Juli 2013, 17:54
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In vielen heimischen Lokalen kostet das Leitungswasser mittlerweile Geld – Nicht alle Wirte wollen das, zum Beispiel Herwig Walch, Geschäftsführer vom Café der Provinz

Gratis zum Kaffee, kostenpflichtig oder ganz umsonst. Mit den steigenden Temperaturen stellt sich wieder die Frage nach dem Wert des Wassers. Ganz ökonomisch in den heimischen Gas­tronomiebetrieben. Denn: Seit vergangenem Sommer hat das "Gratiswasser" die Wiener Melange an der Spitze der bestellten nichtalkoholischen Getränke abgelöst.

Berndt Querfeldt, Obmann der Berufsgruppe Kaffeehäuser und Geschäftsführer des Traditionscafés Landtmann in Wien, hat sich deswegen dieses Jahr für einen Obolus entschieden (DER STANDARD berichtete). 2,50 Euro zahlt der durstige Gast seit 15. Juli, der bei ihm einen halben Liter Leitungswasser bestellt.

Leitungswasser führt

Ähnlich macht es auch seine Schwester Andrea Winkler in ihrem Betrieb, dem Café Mozart. Das sei schon allein nötig geworden, um wirtschaftlich zu arbeiten, sagt sie: "Es wird mittlerweile mehr Leitungswasser bestellt als all unsere nichtalkoholischen Getränke zusammen", so die Geschäftsführerin. "Deswegen müssen wir Geld für ein extra bestelltes Getränk verlangen."

Ob sich ein Gast auf der Toilette etwas nachschenkt, werde aber nicht kontrolliert. Auch bleibe das Wasser, das zum Café oder zur heißen Schokolade serviert wird, gratis. Rund die Hälfte ihrer Gäste akzeptiere den neuen Preis. Die anderen würden stattdessen "lieber ein Cola bestellen".

Herwig Walch, Geschäftsführer vom Café der Provinz, würde trotzdem ein Gratiswasser wollen. Zumindest gibt es das in seinem Restaurant an jedem Tisch dazu: "Es ist einfach ein Zeichen der Gastlichkeit", so der Lokalbetreiber, der sich diese von mehr Gas­tronomen in Österreich wünschen würde. "Man kann doch nicht immer aufs Geld schauen. Soll ich jetzt im Nichtraucherbereich mehr zahlen, weil da die Luft viel besser ist? Ich glaube nicht." Am Ende, so Walch, würde sich Gastlichkeit außerdem auszahlen.

Wasser zum Selberzapfen

Andere Gastronomiebetriebe haben kreative Lösungen gefunden und ersparen sich damit weitgehend die Diskussion um das Für und Wieder kostenpflichtigen Leitungswassers. Die Bunkerei, ein Lokal im Wiener Augarten, verlangt für Leitungswasser, das vom Kellner serviert wird, 50 Cent. Wer Gratiswasser will, kann sich das aber an der lokaleigenen Wasserbar zapfen.

Ähnlich macht es auch das Weltcafé im 9. Bezirk. Zwar ist das Leitungswasser auch gratis, wenn es serviert wird, die Gäste "werden aber darauf aufmerksam gemacht, dass es eine Wasserbar gibt, an der sie es sich selber holen können", so die Mitgründerinnen Miriam Prugger. Das würden sie dann auch tun.

Das Problem ist ein neues, stellt Berndt Querfeld gegenüber dem ORF fest: "Früher haben die Leute einfach vier Bier getrunken." (Michel Mehle, DER STANDARD, 20.7.2013)

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    Kostenlos: Wer Gratiswasser will, kann es sich in manchen Lokalen an der Wasserbar zapfen.

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