Entmotorisierungswelle in Italien

19. Juli 2013, 14:22
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In den letzten fünf Jahren hat sich in Italien die Zahl der verkauften Autos von 2,5 Millionen auf 1,4 Millionen halbiert

Rom - Unter dem Druck der hohen Treibstoffpreise und der Krise verzichten immer mehr Italiener auf ein Auto. In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der verkauften Autos von 2,5 Millionen auf 1,4 Millionen halbiert. Allein in diesem Jahr sollen weitere 150.000 Pkw weniger abgesetzt werden. Der Verkehr in den italienischen Städten ist um 34 Prozent zurückgegangen, geht aus einem Bericht des Automobilverbands ACI hervor. Experten sprechen von einer "Entmotorisierungswelle" in Italien.

Die Italiener sparen immer mehr beim Treibstoff. Waren Autofahrer 2011 noch durchschnittlich 10.900 Kilometer pro Jahren gefahren, so sank diese Zahl 2012 auf 9.500 Kilometer. Allein im ersten Quartal 2012 ist die Zahl der von den Italienern im Auto verbrachten Stunden um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Italien ist somit mit Spanien und Portugal das EU-Land mit dem stärksten Verkehrsrückgang in ganz Europa.

Zunehmende Instandhaltungskosten, hoher Steuerdruck sowie sinkenden Einnahmen sind die Ursachen der zunehmenden Abkehr der Italiener vom Auto. Immer mehr Jugendliche verzichten sogar darauf, einen Führerschein zu machen. Die Zahl der ausgestellten Führerscheine sank 2012 um 19,3 Prozent.

Besonders stark ist der Trend in Rom zu spüren. Hier ist in einem Jahr die Zahl der Autos um 70.000 Einheiten auf 1,867 Millionen Pkw gesunken. Dafür ist die Zahl der Radfahrer stark gestiegen. In diesem Jahr hat die Zahl der verkauften Räder jener der zugelassenen Autos überstiegen, das geschah seit 1953 nicht mehr.

Für das autobegeisterte Italien, in dem bis vor der Krise fast 700 Autos pro 1.000 Einwohner unterwegs waren, ist der Rad-Boom eine Revolution. Die Zahl der verkaufen Fahrräder in Italien hat in den vergangenen Jahren ständig zugenommen. Nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands belief sich der Fahrradbestand in Italien 2012 auf 25 Millionen Stück. Ein großes Problem in Italien ist der Mangel an Fahrradwegen. Lediglich 4.000 Kilometer Radwege stehen zur Verfügung. Die Schaffung von Fahrradstraßen soll künftig von Städten und Gemeinden stärker gefördert werden, verlangt das italienische Umweltministerium. (APA, 19.7.2013)

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