Fliegendes Teleskop wechselte auf die Südhalbkugel

19. Juli 2013, 14:44
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SOFIA vorübergehend in Neuseeland stationiert - bei einem ersten Beobachtungsflug wurden die Magellanschen Wolken ins Visier genommen

Bonn - Zu den Himmelsphänomenen, die den Menschen auf der Nordhalbkugel vorenthalten bleiben, zählen nicht nur prominente Sternbilder wie das Kreuz des Südens. Es gehören auch astronomisch bedeutsame Objekte dazu, etwa die beiden Satellitengalaxien der Milchstraße, die Große und die Kleine Magellansche Wolke, oder zwei unserer unmittelbaren Nachbarsterne, das 4,34 Lichtjahre entfernte binäre System Alpha Centauri.

Um solche Objekte in Augenschein nehmen zu können, wechselte das fliegende Spiegelteleskop SOFIA auf die Südhalbkugel, wie das Max-Planck-Institut für Radioastronomie berichtet. Das vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der NASA gemeinsam betriebene "Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie", das sich an Bord einer umgebauten Boeing 747 befindet, ist normalerweise in Kalifornien stationiert und wurde nun für drei Wochen nach Neuseeland gebracht. Dort unternimmt seine Flüge von der Stadt Christchurch aus. Ein Team von 60 Wissenschaftlern, Technikern und Ingenieuren aus den Vereinigten Staaten und Deutschland sowie zwei Pilotenteams der NASA sind an dem Neuseeland-Einsatz von SOFIA, dem weltweit größten fliegenden Observatorium, beteiligt.

Als Beobachtungsinstrument wird das von Wissenschaftern des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn und der Kölner Universität  gemeinsam entwickelte Spektrometer GREAT ("German Receiver for Astronomy at Terahertz Frequencies") eingesetzt. GREAT bleibt für die gesamte Dauer der Kampagne für Messungen im fernen Infrarotbereich bei Wellenlängen von zehntausendstel Millimetern installiert. Die Flughöhe beträgt bis zu 13.700 Meter und ermöglicht so den Zugang zu den astronomischen Signalen im fernen Infrarotbereich, die sonst durch den atmosphärischen Wasserdampf absorbiert würden und vom Boden aus nicht messbar sind.

"Fast wie im Weltraum"

Beim ersten von neun Wissenschaftsflügen nahmen die Forscher über zehn Stunden hinweg die Magellanschen Wolken sowie die Umgebung des Schwarzen Lochs im Zentrum unserer Galaxis ins Visier. Die beiden Satellitengalaxien ermöglichen Einblicke in die Lebenszyklen von Sternen, vom Protostern bis zu den Resten einer Supernova. SOFIA untersucht von Neuseeland aus eine Reihe von bekannten Sternentstehungsgebieten: "Diese Regionen kennen wir von optischen Beobachtungen, sie sind aber im Infrarotbereich bisher kaum erforscht", erklärt DLR-Projektleiter Alois Himmes. 

Rolf Güsten, Projektleiter von GREAT, zeigte sich mit den Ergebnissen des ersten Flugs überaus zufrieden: "Ich habe noch nie einen dermaßen durchsichtigen Himmel in Ferninfrarot-Wellenlängen gesehen wie heute Nacht - nur ein paar Mikrometer Wasserdampf in der Atmosphäre. Das ist fast wie im Weltraum!" (red, derStandard.at, 19. 7. 2013)

 


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SOFIA

  • 60 Experten sind beteiligt, um die Mission fliegendes Teleskop am Laufen zu halten.
    foto: sofia (nasa/carla thomas)

    60 Experten sind beteiligt, um die Mission fliegendes Teleskop am Laufen zu halten.

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