Die Suche nach dem Licht des Ostens

19. Juli 2013, 20:27
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Wo liegt das spirituelle Licht des Ostens? "Ex Oriente Lux?" war die Frage zum Auftakt der Salzburger Festspiele am Freitag

Salzburg - Mit Haydns Schöpfung starteten die Salzburger Festspiele am Freitag in die Saison 2013. Eine "Ouverture spirituelle" einer Woche vor der offiziellen Eröffnungsfeier, die, geht es nach dem Willen von Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, in Hinkunft zur Tradition werden soll.

Parallel zur musikalischen Darbietung veranstaltete das Herbert-Batliner-Europainstitut heuer im Rahmen der Diskussionsserie "Disputationes" zum Festspielauftakt zum zweiten Mal eine inhaltliche "Ouverture spirituelle". Nachdem sich 2012 die Veranstaltung um den christlich-jüdischen Dialog drehte, stand heuer der Austausch mit den östlichen Philosophien und Religionen im Mittelpunkt.

"Suche nach Orientierung"

Da die geographische Bezeichnung Osten immer eine historische Dimension beinhalte – je nach Standpunkt des Betrachters sei der Nahe Osten eben immer wo anders – sollte man eher von einem "inneren Osten" sprechen, wenn man sich auf die "Suche nach dem Licht" begebe, interpretiert Kardinalprotodekan und langjähriger Chefdiplomat des Vatikans Jean-Luis Tauran in seinem Eingangsstatement das "Ex Oriente Lux", das Licht des Ostens.

Für den Präsidenten des Päpstlichen Rates für Interreligiösen Dialog Tauran, zuletzt als Verkünder des "Habemus papam" bei der Wahl des neuen Papsts Franziskus in die Öffentlichkeit getreten, geht es dabei vornehmlich um die "Suche nach Orientierung". Wenn sich jemand verirrt habe, heiße es, er sei "orientierungslos".

Als eine Ausdrucksform der Suche nach diesem "inneren Orient" sieht Tauran die Musik. Sie sei "Brücke zwischen Immanenz und Transzendenz", zwischen Erde und Himmel. Neben der Interpretation des jeweiligen Musikstückes durch den einzelnen Musiker gehört für Tauran auch das Phänomen der Stille in der Musik zu dieser Suche. Einer der vollkommensten Momente der Musikgeschichte sei die Stille in der Johannespassion von Johann Sebastian Bach, in dem Moment, in dem der dramatischste Augenblick im Leben Jesu – seine Kreuzigung – erreicht war.

"Das Licht der Welt"

Der japanische Philosoph Ryōsuke Ōhashi hat für das Licht in den Religionen verschiedene Eingangsformen herausgefunden. Die gotischen Kirchen etwa ließen das "göttliche Licht von oben" durch die Glasfenster einstrahlen. Und obwohl sich die Zen-Teezeremonien mit dem Trinken des Weines katholischer Messen durchaus ähnlich seien, würden die japanischen Teezimmer das Licht auf Augenhöhe des Betrachters durch die Papierfenster in den Raum lassen. Die Formsprache ist zwar eng verwoben, aber dennoch unterschiedlich.

Parallelen in der Mythologie sieht Ōhashi dennoch. "Ihr seid das Licht der Welt", heißt es in der Bibel bei Matthäus. "Die ganze Welt ist das Licht meines Selbst, die ganze Welt befindet sich in meinem Licht", sagt Chōsa Keishin – ein Zen-Meister im 9. Jahrhundert.

Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft, betont die unterschiedlichen Schattierungen der buddhistischen Lehre. Diese würde sich immer den jeweiligen Gesellschaften anpassen. Dies gelte auch für die Lehre Buddhas im Westen. Die Buddhisten würden nicht versuchen, aus den Europäern Tibeter oder Japaner zu machen. Weißgrab vergleicht die Lehre Buddhas mit einem "glasklaren Diamant". Liege dieser auf blauem Sand, schimmere er blau, auf rotem Sand eben rot.  (Thomas Neuhold, derStandard.at, 19.7.2013)

Nachlese:
Wem ein Licht aufgeht
"ORIENTierung", eine hochkarätig besetzte Salzburger Gesprächsreihe, widmet sich der Spiritualität in Ost und West

  • Kurienkardinal Jean-Louis Tauran betont die "Suche nach Orientierung".
    foto: reuters/max rossi

    Kurienkardinal Jean-Louis Tauran betont die "Suche nach Orientierung".

  • Ryōsuke Ōhashi differenziert zwischen dem "göttliche Licht von oben" und dem auf Augenhöhe.
    foto: wikimedia

    Ryōsuke Ōhashi differenziert zwischen dem "göttliche Licht von oben" und dem auf Augenhöhe.

  • Gerhard Weißgrab zieht den Vergleich mit einem "glasklaren Diamant".
    foto: standard/andy urban

    Gerhard Weißgrab zieht den Vergleich mit einem "glasklaren Diamant".

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