"Den Bademeister mit Pfeiferl und Goldketterl spielt es nimmermehr"

19. Juli 2013, 12:08
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Das Berufsbild des Badewarts werde häufig unterschätzt, sagt Rudolf Placek, Betriebsleiter der Therme Wien

Wien - Das Berufsbild des im Volksmund als "Badewaschl" bezeichneten Bademeister hat im Laufe der vergangenen Jahre offenbar eine Wandlung erfahren: Vom weißgewandeten Gott, der mit aller Härte und Trillerpfeife den Beckenrand überwachte und dessen Worte Gesetz waren, hin zu einem Spezialisten für Hygiene, Sicherheit, rechtliche Grundlagen und Mediation, und das in vielen Fällen nach ÖNORM. "Den Bademeister mit Pfeifferl und Goldketterl spielt es nimmermehr", meint Rudolf Placek, Betriebsleiter der Therme Wien.

Seit 40 Jahren verrichtet Placek seinen Dienst in der Therme Wien, seit über 20 Jahren im Bereich der "Thermencoaches", wie die Bademeister und Saunawarte dort genannt werden. Auch im Sommer strömen an Wochenenden viele Besucher in das Thermenareal. "Die Verantwortung ist enorm", weiß Placek, denn Übersicht, Durchsetzungsfähigkeit und menschliche Erfahrung seien vom qualifizierten Personal zu erwarten.

Psychische Belastung: "I zerleg di!"

Die Zuständigkeitsbereiche der Badewärter haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr ausgeweitet. Sicherheit und Hygiene seien Hauptaspekte der Tätigkeit, immer wichtiger werde dabei die Funktion als Vermittler zwischen den Gästen. Gerade Kommunikation sei ein wichtiger Punkt, der bei dem Berufsbild des Badewarts häufig unterschätzt wird. "Die psychische Belastung ist sehr hoch", erklärt Placek. "Für die Persönlichkeitsentwicklung" sei der Bademeister jedenfalls ein guter Beruf, meint Herbert Runge, Teamleiter der Thermencoaches. Man lerne viel über Menschen, aber psychisch solle man im Gleichgewicht sein, damit man mit Äußerungen wie "i zerleg di!" oder "wart nur, wannst aussekommst!" von aufgebrachten Gästen zurecht kommt.

Seit 2008 wird von Ausbildungseinrichtungen wie dem WIFI, dem bfi und der WKÖ eine nach ÖNORM zertifizierte Ausbildung zum qualifizierten Bäderpersonal angeboten, die dieses Jahr aktualisiert wird. Die Norm war ein Vorstoß von Sachverständigen und Experten, um die unübersichtliche Ausbildungssituation in Österreich zu regulieren und einen einheitlichen Qualitätsstandard zu schaffen. Es wird ein System angeboten, dass für alle Arten von Schwimm- und Saunaeinrichtungen das nötige Wissen vermittelt. Fächer wie Sicherheit und Hygiene sind für alle Ausbildungsformen der Badewärter und -techniker verpflichtend, vom Saunawart über den Badewart für Kleinbadteiche bis zum Bademeister - die höchste Ausbildungsstufe - wird spezifisches Wissen angeboten.

Bademeister muss schwimmen können

Wie der Fall eines im Jahre 2006 im Sonnegger See verstorbenen Schwimmers zeigte, macht eine genormte Ausbildung durchaus Sinn. Der Bademeister wurde wegen unterlassener Hilfeleistung angezeigt, rechtfertigte sich aber, dass er nicht helfen konnte, da er Nichtschwimmer sei. Laut ÖNORM S1150 muss ein Bademeister schwimmen können. Außerdem ist ein Erste-Hilfe-Kurs für Bäderpersonal mit Kundenkontakt eine Voraussetzung.

"Der Beruf verlangt nach einer Ausbildung", so Runge. Das sei für das Berufsbild wichtig und für die Anerkennung "wünschenswert". In der Therme Wien werde das Badepersonal am WIFI nach der ÖNORM geschult. Die Thermencoaches seien dort "Badewärter für Großanlagen". Auch die Saunawärter, die "Showmen" der Therme, seien dahin gehend geschult. Bei "doppelten Slivovitz-Aufgüssen", die sich manche Gäste selbst verordnen, gilt es einzuschreiten, sagt Betriebsleiter Placek.

Stadt Wien bildet nach eigenen Maßstäben aus

Friedrich Pein, Sachverständiger und Mitwirkender an der ÖNORM, sieht vor allem bei Kleinbädern in Hotels und Fitnesscentern Potenzial für die fachspezifische Ausbildung. Da meist nur eine Person mit diesen Anlagen betraut wird, könne mit dem "Rundum-Sorglos-Paket 'Badewart für Kleinbäder'" (höchstens 130 m2 Wasseroberfläche) die rechtliche Abdeckung als auch das nötige Know-how, die Millionenwerte der Schwimm- und Saunaeinrichtungen zu verwalten, geboten werden.

In den Bädern der Stadt Wien wird dagegen nach eigenen Maßstäben ausgebildet. Eine "eigene Rettungskette", die mit der Wiener Rettung und dem Samariterbund gemeinsam entwickelt wurde, Facharbeiter im technischen Bereich und staatlich geprüfte Sportbadewärter, die sich um die Auswahl der saisonalen Wärter kümmern, sorgen für die Sicherheit und Hygiene in den Wiener Bäder, erklärt Martin Kotinsky vom Magistrat 44. (APA, 19.7.2013)

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    Als Bademeister nicht schwimmen zu können, sollte in Zukunft ein No-Go sein.

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