Sechsjähriger droht Rückführung zu Vater nach Italien

19. Juli 2013, 06:21
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Mädchen hat Vater seit vier Jahren nicht gesehen - OGH hatte schon 2012 zu Gunsten des Vaters entschieden

Wiener Neustadt - Einem sechsjährigen Mädchen, das mit seiner Mutter und deren neuem Lebensgefährten bei Wiener Neustadt lebt, droht die Rückführung zum Vater nach Italien. Hintergrund ist ein jahrelanger Streit der getrennt und in verschiedenen Staaten lebenden Eltern. Die Rechtsanwältin Astrid Wagner, die die Frau in dem Obsorgeverfahren vertritt, bat nun Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) in einem Brief um Hilfe. Sie befürchte eine zwangsweise Abnahme des Kindes ohne Ankündigung noch im Juli.

Die Frau sei vor vier Jahren vor ihrem gewalttätigen Lebensgefährten aus Italien in ihre Heimat geflüchtet. Seither habe der Ex-Freund alle rechtlichen Möglichkeiten ergriffen, um die gemeinsame Tochter zurückzuholen, so die Anwältin. Sie verwies auf eine Strafanzeige gegen ihre Mandantin sowie einen Antrag auf Rückführung des Kindes nach dem Haager Kindesentführungsübereinkommen. Allerdings habe der Mann sich weder um ein Besuchsrecht noch um eine Lösung im Sinne des Kindeswohls bemüht.

Kind spricht kein Italienisch

Das Bezirksgericht Judenburg (Steiermark), aufgrund des damaligen Wohnortes der Frau seinerzeit zuständig, habe ihrer Mandantin im Jahr 2010 die alleinige Obsorge über das Mädchen zugesprochen. Der Kindesvater habe nun aber beim Bezirksgericht Wiener Neustadt eine Übergabe des Kindes an ihn durchgesetzt. Diese könnte auch zwangsweise erfolgen.

Das Mädchen habe seinen Vater seit vier Jahren nicht gesehen, spreche kein Italienisch und würde aus seiner Familie - es gibt auch einen zweijährigen Bruder - herausgerissen, was laut einem kinderpsychologischen Gutachten zu einer schweren Traumatisierung führen würde. Die Anwältin brachte daher beim Bezirksgericht einen Antrag auf Aufschiebung ein, über den bis dato nicht entschieden worden sei.

Sprecher: Akt hat alle Instanzen durchlaufen

Der Akt habe mittlerweile alle Instanzen durchlaufen, sagte der Sprecher des Landesgerichts Wiener Neustadt, Hans Barwitzius - vom Obersten Gerichtshof bis zum Europäischen Gerichtshof und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Es sei rechtskräftig entschieden, dass die Frage des Kindeswohls durch italienische Gerichte zu klären sei.

Der Obersten Gerichtshof habe 2012 festgestellt, dass das Kind dem Vater zu übergeben sei. Das Bezirksgericht habe einzig über die Modalitäten entschieden. Gegen den Termin eine Woche nach Schulschluss sei Rekurs eingelegt worden. Dieser wurde abgewiesen und der erstgerichtlichen Entscheidung recht gegeben, so Barwitzius. Inzwischen seien neue Beweisanträge eingelangt. (APA, 19.7.2013)

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