Gentechnik in Europa: Monsanto gewinnt immer

Kommentar18. Juli 2013, 18:42
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Das Europa-Aus für gentechnisch manipulierte Pflanzen ändert nichts am lukrativen Verkauf von Spritzmitteln

Monsanto reicht es. Jahrelange Verfahren, nationale Anbauverbote und somit dürftige kommerzielle Resultate haben dem US-Saatgutriesen die Lust auf Europa genommen. Fragt sich nur, wie berechtigt der Jubel der Anti-Gentechnik-Lobby ist und wie lange er andauern wird. Denn es wäre eine ziemliche Überraschung, sollten die USA das Zulassungsregime in der EU nicht auf die Agenda für das Freihandelsabkommen mit Europa setzen. Da könnte die Spaltung der Mitgliedsstaaten den Amerikanern in die Hände spielen.

Doch vorerst sorgen Kennzeichnungspflicht und hohe Sensibilität der Konsumenten dafür, dass die Marktchancen für gentechnisch manipulierte Pflanzen äußerst bescheiden sind. Das Diktat der Verbraucher ist prinzipiell erfreulich, zumal damit auch eine weitere Konzentration der Hersteller und die damit verbundene Abhängigkeit der Landwirte verhindert wird. Nachdenklich machen sollte die nicht immer wissenschaftlich begründbare Aversion gegen Gentechnik dennoch, weil die Abwehrhaltung auch die Forschung in diesem Bereich aus Europa vertreibt. Und zwar nicht nur jene von US-Konzernen, sondern auch von Europäern wie BASF oder Syngenta.

Damit bringt sich die EU auch um die Chance, an künftigen Verbesserungen, etwa in Form geringeren Pestizid-Einsatzes oder höherer Erträge, zu partizipieren. Derweil verdient Monsanto prächtig am Verkauf von Spritzmitteln. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 19.7.2013)

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