OeNB: Verlorenes Geld lagerte im Hochregal

18. Juli 2013, 18:37
20 Postings

Jene 50.000 Euro, die aus Hauptkasse verschwunden waren, sind wieder da

Wien - Ein paar Monate lang wurde fieberhaft gesucht, dann gestraft - und nun gefunden. Und zwar zufällig. In der Hauptkasse der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hat sich im Vorjahr ein Packerl Geldscheine verflüchtigt: 50.000 Euro. Als Erklärung dafür gab man Umbauarbeiten in der Abteilung Banknoten- und Münzkasse (BNK; kurz Hauptkasse) an, diese hätten zu "Lücken in der Sicherheitskette" geführt.

Die OeNB erstattete Anzeige gegen unbekannte Täter, ein Disziplinarverfahren gegen die BNK-Verantwortlichen fand nicht statt. Stattdessen wurden drei von ihnen dazu verdonnert, den Schaden (teilweise) zu ersetzen, sie zahlten je rund 7000 Euro. Den Rest schluckte die OeNB, gleichsam dafür, dass sie ja auch für die Sicherheitssysteme verantwortlich ist. Zudem wurden den Mitarbeitern Boni gekürzt und Vorrückungen (die Gehaltsverbesserungen mit sich bringen) abgebremst.

Geld aus dem Container

Vor ein paar Wochen haben sich die Scheinchen nun wieder materialisiert. Aufgetaucht sind sie in einem jener großen Metallcontainer, in denen Geld in der Notenbank transportiert wird, und die in einem Hochregal-Lager im Gebäude der Gelddruckerei aufbewahrt werden. Beim Öffnen eines solchen "Münzcontainers" hat ein Mitarbeiter die 50.000 Flöckchen wiedergefunden.

"Die Scheine sind in der Hauptkasse offenbar unbemerkt in so einen Container gefallen und abtransportiert worden", rekonstruiert man in der OeNB den Verflüchtigungshergang. Und interpretiert ihn schmucklos so: "Das war eine banale Schlamperei."

Die Strafanzeige wurde vom OeNB-Direktorium inzwischen zurückgezogen, die drei Mitarbeiter bekommen ihr Geld zurück. Die disziplinären Maßnahmen bleiben aber aufrecht.

Stichwort disziplinäre Maßnahmen: Der Ex-Vizegouverneur der OeNB, Wolfgang Duchatczek, wird am 1. August seine Klage gegen die Notenbank einbringen. Der Generalrat hat ihm ja Abfertigung und Bank-Zusatzpension gestrichen, weil er in der Schmiergeld-Causa Gelddruckerei angeklagt ist (Duchatczek bestreitet den Vorwurf vehement). Der Ex-Vizechef will vom Gericht festgestellt wissen, dass ihm die Pension zusteht. Laut seinem Anwalt bezieht er derzeit gar kein Einkommen, auch nicht vom gesetzlichen Pensionsversicherer. (Renate Graber, DER STANDARD, 19.7.2013)

Share if you care.