Atlas entschlüsselt erstmals globale Verteilung des Meeresplanktons

21. Juli 2013, 17:00
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Forscher bestimmten an 500.000 Messpunkten Artenvielfalt und Biomasse des marinen tierischen und pflanzlichen Planktons

Bern - Das Plankton in den Ozeanen bildet die Basis der marinen Nahrungspyramide und gilt als wichtiger Angelpunkt der Stoffkreisläufe. Nun präsentiert ein internationales Forscherteam mit Schweizer Beteiligung erstmals einen globalen Atlas darüber, wann, wo und in welchen Konzentrationen Plankton vorkommt.

Plankton sind Organismen vom Bakterium bis zum Krill-Krebschen, die zu klein sind, um gegen Ozeanströmungen anzuschwimmen. Ohne sie gäbe es kein Leben im Meer. Zudem entzieht pflanzliches Plankton der Atmosphäre durch die Photosynthese Kohlendioxid (CO2) und trägt dazu bei, das globale Klima zu regulieren. Über die Verbreitung von Plankton in den Ozeanen war bisher aber wenig bekannt.

Zahlreiche Forscher unter Leitung der ETH Zürich und der britischen University of East Anglia haben an über 500.000 Messpunkten weltweit Daten zur Artenvielfalt und Biomasse von Plankton gesammelt. Nun stellen sie den ersten globalen Plankton-Atlas in der Zeitschrift "Earth System Science Data" vor.

Mehr tierisches Plankton als angenommen

Er gebe Aufschluss darüber, wie Plankton sich in Ökosystemen organisiert und wie groß die Vielfalt in verschiedenen Meeresregionen ist, meinen die Wissenschafter des ETH Zürich. Bereits hat sich gezeigt, dass in der Tiefsee viel mehr tierisches Plankton lebt als bisher angenommen.

Außerdem scheint das tierische Plankton in den Weltmeeren mindestens so viel Biomasse zu enthalten wie pflanzliches. "Das ist erstaunlich", sagte Koordinatorin Meike Vogt von der ETH in der Mitteilung. An Land sei es meist genau umkehrt - es gibt weitaus mehr Pflanzen als Tiere.

Interessant für Klimaforscher

Von Nutzen ist der Atlas nicht nur für Biologen und die Fischerei, sondern auch für Klimaforscher. Plankton kann nämlich über den Schwefelkreislauf sogar die Wolkenbildung beeinflussen. Bisher mussten sich Klimatologen mit sehr einfachen, ungenauen Ozean-Modellen begnügen.

"Die Menschen stören Ozeane auf unterschiedlichste Weise und auf diversen Ebenen der Nahrungskette", sagte Vogt. Da Meeres-Ökosysteme sehr komplex seien, hätte man noch wenig Ahnung davon, wie sich etwa die Überfischung oder Ansäuerung der Meere auswirken werde. Insbesondere weil man nicht wisse, welche Lebewesen sich wo befinden. Dieses Manko soll der neue Atlas beheben. (APA/red, derStandard.at, 21.07.2013)

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    Marines Plankton - hier sind es Kieselalgen - bildet die Grundlage der marinen Nahrungspyramiden. Ein neues Projekt hat nun einen Atlas zur globalen Verteilung der Kleinstlebewesen geschaffen.

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