Costa Concordia: Schettinos Antrag auf mildere Strafe chancenlos

18. Juli 2013, 18:41
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Kein Vergleich bei Costa-Concordia-Prozess in Grosseto, der lange dauern dürfte

Es fügt sich gut, dass der Prozess um das Unglück der Costa Concordia aus den engen Verhandlungssälen des Gerichts von Grosseto ins größte Theater der Stadt verlegt wurde. Die drei Richter thronen auf der Bühne hinter Tischen, die mit rotem Stoff überzogen sind, und auf der Kinoleinwand leuchtet vorschriftsmäßig der Schriftzug "Das Gesetz ist für alle gleich". Viele Szenen, die sich im Teatro Moderno abspielen, haben durchaus theatralischen Charakter.

Da wirft der braungebrannte Unglückskapitän Francesco Schettino, der viel am Handy fingert, einen verstohlenen Blick zur blonden Moldauerin Domnica C., die es geschafft hat, als Nebenklägerin zugelassen zu werden. "Ich wundere mich, dass mein Schiff noch immer da draußen liegt" , seufzt Schettino kopfschüttelnd. 

Gelegenheit zur Selbstdarstellung

Die Hauptszenen des Theaters finden freilich unter freiem Himmel statt. Jedem, der den Verhandlungssaal verlässt, werden dutzende Mikrofone vorgehalten - ob Passagier, Anwalt, Nebenkläger oder Schiffspianist, alle nutzen die Gelegenheit zur Selbstdarstellung. C. erklärt zum wiederholten Mal, dass sie nicht Tänzerin, sondern Übersetzerin sei.

Schettinos Anwälte bestreiten die Mitschuld seines Mandanten an der Tragödie nicht. Doch die Verantwortung trage er nicht allein. Als der Kapitän das Kommando übernommen habe, habe sich das Schiff bereits auf falschem Kurs befunden. Schettinos rasche Reaktion habe zahlreiche Menschenleben gerettet, so Verteidiger Domenico Pepe.

Offen ist die Strafhöhe

Staatsanwalt Francesco Verusio weist den Antrag auf einen Vergleich aber zurück. Das vorgeschlagene Strafmaß von drei Jahren und fünf Monaten sei zu knapp bemessen. An einer Verurteilung Schettinos hegt Verusio keine Zweifel. Offen ist für ihn aber die Strafhöhe. Fest steht in diesem Monsterprozess nur eins: dass bis zum Urteil viel Zeit vergehen wird. Bis zur rechtskräftigen dritten Instanz wird das Unglückswrack der Costa Concordia wohl bereits verschrottet sein. Dessen Bergungskosten werden mit 500 Millionen Euro übrigens doppelt so hoch wie veranschlagt. (Gerhard Mumelter aus Rom, DER STANDARD, 19.7.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Theater um Schettino.

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