Samba soll nach Rio segeln

18. Juli 2013, 17:33
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Thomas Zajac und Tanja Frank segeln am Katamaran um WM-Medaillen - Er soll die beiden zu den Spielen 2016 bringen

Scheveningen/Wien - Anno 1900 war der Segelsport erstmals olympisch, und es wird nicht einmal 120 Jahre dauern, ehe ein Boot mit einer gemischten Besatzung an den Spielen teilnimmt. Nacra17 heißt der Zweirumpfer, mit dem 2016 vor Rio um Medaillen gesegelt wird. Er ist 17 Fuß und also etwas mehr als fünf Meter lang, trägt Großsegel und Fock oder Gennaker. Ob die Frau oder der Mann ans Ruder geht, ist nicht geregelt. An sich ist es beim Segeln üblich, dass der Vorschoter groß und stark zu sein hat, um an Leinen ziehen und sein Gewicht einsetzen zu können. Der niederländische Verband beispielsweise verordnete, dass die Frau das Ruder führt und der Mann den Vorschoter macht.

Auf dem österreichischen Boot, welches ab Montag vor Scheveningen, einem Vorort von Den Haag, um WM-Medaillen segelt, gibt der 27-jährige Thomas Zajac den Steuermann und die 20-jährige Tanja Frank die Vorschoterin. Das rührt daher, dass Zajac eine jahrelange Erfahrung am Ruder eines Katamarans hat. "Die Klasse ist relativ neu, es gibt noch keine Tendenz, beide Konstellationen haben etwas für sich", sagt er. Bei der Kieler Woche mit kräftigem Wind waren die Boote mit Steuermann im Vorteil, vor Palma de Mallorca mit leichterem Wind jene mit Steuerfrau. Bei Olympia vor Rio de Janeiro ist eher mit Leichtwind zu rechnen.

Zwangspause

Seit Ende des vergangenen Jahres sind die beiden Wiener gemeinsam unterwegs auf dem Nacra17, und es ist schon was Grobes dazwischengekommen. Beim Trainingslager in Mallorca krachte Frank gegen den Mast und brach sich den Arm, was eine Zwangspause nach sich zog. Nach dieser lief es gut. Den Europacup auf dem Gardasee gewannen sie, bei der Kieler Woche wurden sie Dritte, mit einer Ausnahme, bei der sie Elfte wurden, schafften sie es bei allen Regatten unter die Top Ten. Zajac ist auch schon Grobes widerfahren. Nicht im Boot, sondern beim Klettern stürzte er 2009 zwölf Meter tief ab, brach sich beide Beine, erlitt innere Verletzungen, verbrachte drei Monate im Spital und zwei mit der Reha.

Das Revier vor Scheveningen ist anspruchsvoll, es herrscht starker Tidenstrom. Seit Sonntag trainieren Zajac und Frank dort und versuchen, das Boot WM-reif zu machen. Bis jetzt hielt sich der Wind eher zurück. Ideal für den Nacra-17 sind Windgeschwindigkeiten zwischen sechs und 20 Knoten (ein Knoten ist 1,852 km/h). Weht es kräftiger, "wird es zum Überlebenskampf", erklärt Zajac, aber 25 Knoten seien schon zu meistern.

Was das Gewicht betrifft, sind Zajac und Frank flexibel. Je nach Revier wird das Gewicht raufgekurbelt (Starkwind) oder abgespeckt (Leichtwind). Frank hat einen Spielraum zwischen 56 und 61 Kilogramm, Zajac variiert zwischen 74 und 80 Kilogramm. Da ist es praktisch, dass Frank Ernährungswissenschaften studiert. Zajac studiert Jus, aber mehr als ein bis zwei Prüfungen im Jahr gehen sich nicht aus bei 200 bis 250 Segeltagen im Jahr.

Der Flaschenzug

Einen weiteren Spielraum gibt es bei der Übersetzung, beim Flaschenzug, über den die Großschot läuft. Von 1:12 (weniger Kraft, mehr Weg) bis 1:10 (umgekehrt) sind erlaubt, Frank begann mit 1:12, hält nun bei 1:11 und bei entsprechendem Training auch 1:10 für möglich.

Zajac, dessen Vater 1980 olympisch für Polen segelte, fuhr den Spielen bisher hinterher. Er und sein Schulfreund, Vorschoter Thomas Czajka, bauten sich im Tornado als Nachfolger der Doppelolympiasieger Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher auf, sie gewannen die Junioren-WM und holten bei den Großen Silber, doch 2012 war dieser Katamaran nicht mehr olympisch. Und im einrumpfigen 49er war kein Vorbeikommen an den Weltcupsiegern Nico Delle-Karth und Niko Resch. Als der Nacra17 mit gemischter Besatzung ins Programm kam, mussten sich die Tommis nach zwölf gemeinsamen Segeljahren trennen. Vorschoter Czajka probierte es mit der olympiaerfahrenen Steuerfrau Sylvia Vogl im Nacra17, doch diese Beziehung hielt nicht lange.

Frank, die mit Jugendolympiasiegerin Lara Vadlau am Ruder Weltmeisterin im einrumpfigen 420er wurde, stieg zu Zajac auf den Katamaran. Er heißt Samba. Und soll 2016 zu Hause sein. (Benno Zelsacher, DER STANDARD, 19.7.2013)

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    foto: oesv/dominik marsano
  • Thomas Zajac, Tanja Frank und ihr Nacra17 waren in den bisherigen Saisonregatten Stammgäste in den Top Ten, den Europacup auf dem Gardasee gewannen sie.
    foto: oesv/dominik marsano

    Thomas Zajac, Tanja Frank und ihr Nacra17 waren in den bisherigen Saisonregatten Stammgäste in den Top Ten, den Europacup auf dem Gardasee gewannen sie.

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