Tragödie und Travestie

18. Juli 2013, 18:23
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Der australische Singer-Songwriter Scott Matthew gibt am Freitag ein Konzert im Alten Hallenband in Feldkirch

Wo in vergangener Zeit wieder die Gesichtshaare voll sprießen, da findet man meist auch Melancholie, Herzleid, Traurigkeit und Travestie. Ein gutes Beispiel dieses Typus Singer-Songwriter ist der Australier Scott Matthew, der sich selbst als "stillen Lärmmacher" bezeichnet. Geboren wurde der Sänger und Ukulelespieler im australischen Queensland, seit 1997 lebt er aber in Brooklyn. Zuvor hatte er sich in Australien für die Bohème qualifiziert: mit der Poppunkcombo Nicotine und einem Job im Kostümfundus der Australien Opera Company. Schon damals erprobte er sich an der Wanderklampfe.

Im Big Apple traf er 2000 Ex-Morrissey-Drummer Spencer Cobrin, gemeinsam veröffentlichten sie zwei Jahre später unter dem Namen Elva Snow eine EP. Der Durchbruch gelang Matthew mit Gesangseinlagen für japanische Animeserien sowie seinem Beitrag zum Soundtrack des US-Indiefilms Shortbus (2006). Daneben veröffentlichte Matthew seit 2008 vier Alben auf Glitterhouse. Mit Songs, in denen er sein Innerstes nach außen kehrt, ohne Larmoyanz, auch wenn es meist um die ewigen Themen geht: verspielte Liebe, Trennung, Einsamkeit.

Ein Romantiker, der seine Seelenqual mit Mitteln der Travestie zu inszenieren weiß, mit wohlgesetzten Pianoeinsprengseln, Streichern und flehendem Gesang - nicht von ungefähr wird Scott Matthew gern mit Antony Hegarty oder David Bowie verglichen. Pünktlich zur einzigen Österreichshow ist ein neues Album erschienen: Unlearned versammelt 18 entschlackte, sparsam instrumentierte, bittersüße Coverversionen von Joy Division, den Bee Gees, Radiohead oder Neil Young, deren Lieder Matthew zu eigenen macht. (dog, DER STANDARD, 19.7.2013)

Altes Hallenbad, Feldkirch, 19.7., 22.00

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