Der Teufel als Gottesbeweis

18. Juli 2013, 18:20
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Der Geist des Punk aus den Appalachen: Der Agnostic Mountain Gospel Choir malt im Fluc den Teufel an die Wand

Wien - Schon der Name evoziert alte Zeiten: Agnostic Mountain Gospel Choir. Bloß das Gottlose im Titel verstört. Ansonsten klingt alles nach dem Begleitgeläut sogenannter Sideshows, bei denen noch im 20. Jahrhundert am nordamerikanischen Kontinent Schlitzohren staunenden Hinterwäldlern Eigenurin oder das Augenlicht auslöschenden Alkohol als Wundermedizin verscherbelt haben, und - bei Gott und meiner Seel' - auf dessen Wirkung schwörten, bevor sie sich im Schutz der Dunkelheit davonmachten.

Doch dieser Chor entsagt dem Herrn, leugnet gar dessen Existenz. Dabei spielt er eine Musik, die einst als des Teufels galt, dessen Existenz ja gewissermaßen als Gottesbeweis gilt. Schwierig, aber hauptsächlich egal, denn mit oder ohne höheren Segen spielt der Agnostic Mountain Gospel Choir als gebe es kein morgen. Heute, Freitag, tritt dieser zünftige Vierer im Wiener Fluc auf. Und zwar im Rahmen der Boneshaker genannten Konzertreihe, die sich nämlicher Musik mit Hingabe verschrieben hat.

Hoch oben von Kanada kommend, ergeht sich der Chor in Musik, wie sie vornehmlich aus den Appalachen oder dem Mississippidelta kommt. Knochentrockenem Folk und rumpelndem Blues, die Übergänge dazwischen werden ohne Kontrolle passiert, Reinheitsgebot my Ass. Heutzutage durchweht solch Zusammenrottungen Gleichgesinnter natürlich der Geist des Punk, das ist beim Agnostic Mountain Gospel Choir nicht anders.

Die Songs tragen Titel wie Dark Holler, Who fears the Devil? oder Butcher, Maker, Undertaker. Solch erdigen Themen widmet man sich mit bildstarker Erzählkunst, die nur Schwarz und Weiß oder Gut und Böse benötigt, um den Teufel an die Wand zu malen. Dazu wird stur die Trommel geschlagen, machen grobe Riffs und kehliger Gesang Gänsehaut. Donner und Gloria einmal anders. (Karl Fluch, DER STANDARD, 19.7.2013)

Agnostic Mountain Gospel Choir, 19.7., Fluc, Praterstern, 21.00

  • Keine Angst vor dem Gehörnten: Der Agnostic Mountain Gospel Choir in Aktion.
    foto: fluc

    Keine Angst vor dem Gehörnten: Der Agnostic Mountain Gospel Choir in Aktion.

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