Wiener Forscher arbeiten an Wirkstoff gegen Lungenödem

18. Juli 2013, 10:12
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Das Nanomolekül AP301 soll beschädigte Lungenbläschen-Zellwände reparieren und überschüssige Flüssigkeiten aus der Lunge entfernen

Durch die Zellwände der Lungenbläschen gelangt im Normalfall der Sauerstoff aus der Atemluft in den Blutkreislauf. Werden die normalerweise semipermeablen Zellwände aber durch Schädigungen auch für Körperflüssigkeiten durchlässig, besteht die Gefahr, dass der Patient an ihnen erstickt.

Das Wiener Biotech-Start-Up-Unternehmen Apeptico setzt bei der Bekämpfung von solchen Lungenödemen auf ein Eiweißmolekül (AP301), das diesen Effekt möglicherweise umkehren kann. An Patienten nach Lungentransplantationen ist es bereits im Test, an Schweinen erprobten deutsche Wissenschafter die Substanz bei künstlich hervorgerufenem akutem Lungenversagen.

Nanomolekül AP301

Das von den Forschern im Zusammenhang mit der Behandlung von Lungenödemen patentierte kreisförmige Kleinstmolekül besteht aus insgesamt 17 Aminosäuren und trägt den Laborcode "AP301". Dieses "Nanomolekül" beeinflusst die Beschaffenheit der Zellwände in den Lungenbläschen, in denen sich die Sauerstoffaufnahme abspielt.

Genau dieses Phänomen soll mit AP301 bekämpft werden. Das Peptid ist im Endeffekt ein künstlich hergestellter Teil des körpereigenen Entzündungsbotenstoffs Tumornekrosefaktor alpha (TNF-alpha). Durch die Zufuhr von AP301 wollen die Forscher einerseits die Barriere in den Zellwänden reparieren, andererseits soll das Peptid auch dabei helfen, überschüssige Flüssigkeiten aus den Bläschen wieder in das Blut zu befördern.

Signifikante Verbesserung

Deutsche Wissenschafter von der Abteilung für Anästhesiologie der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz testeten das in Entwicklung stehende Medikament im Vergleich zu einem Placebo an 16 Schweinen, bei denen man künstlich ein akutes Lungenversagen hervorrief. Dabei stellte sich heraus, dass im Vergleich zum Placebo, die Inhalation eines Aerosols mit AP301 die Lungenfunktion signifikant verbesserte und die Bildung des Ödems mit vermehrter Wasseransammlung in dem Organ verringerte.

Seit April dieses läuft an der eine Pilotstudie mit Lungentransplantations-Patienten, bei denen mit AP301 in einer Studie durch Inhalation von AP301 über einen Zeitraum von sieben Tagen hinweg im Rahmen der Transplantation aufgetretene Funktionsstörungen des Spenderorgans minimiert werden sollen, wo es auch zu Ödemen kommen kann. Erprobt wird AP301 auch bei Lungenödemen in Folge von Höhenkrankheit. (APA/red, derStandard.at, 18.7.2013)

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