Völkermord in Bosnien-Herzegowina: Gesetze und Mitgefühl

Kommentar17. Juli 2013, 18:18
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Durch die geänderte Anklage gegen Radovan Karadzic wird es eine finale Entscheidung geben, ob der Genozid lokal auf Srebrenica beschränkt war oder nicht

Ein bosnisches Sprichwort besagt: Die Wahrheit ist ein tiefes Wasser. Durch die geänderte Anklage gegen den Exführer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, wird es eine finale Entscheidung geben, ob der Genozid lokal auf Srebrenica beschränkt war oder nicht. Das Tribunal wird wieder einmal polarisieren, es hat ohnehin bereits alle ethnischen Gruppen und Staaten enttäuscht. Zwanzig Jahre nach seiner Einrichtung sind viele Leute überzeugt, dass es sich in Den Haag um ein "politisches Gericht" handelt. Diese Verschwörungstheorien haben mit falschen, aber auch mit immens hohen Erwartungen zu tun.

Denn tatsächlich ist das Tribunal die einzige Institution, die eine differenzierte und neutrale Einschätzung liefern kann. Die politischen Institutionen und ihre Vertreter haben bisher wenig zur "Wahrheit" beigetragen. Insbesondere in Bosnien-Herzegowina, Kosovo und in Serbien wählt die Bevölkerung immer wieder Ethno-Nationalisten, die teilweise in den Krieg involviert waren und die Opfer niemals jenseits ihrer ethnischen Zugehörigkeit betrachten.

Wichtig wäre es, wenigstens die Leugnung der Kriegsverbrechen zu verbieten. Ebenso wichtig wäre Empathie. Ein bosnisches Sprichwort lautet: Wenn du etwas lernen willst, lies! Wenn du etwas verstehen willst, liebe! Das Tribunal hat Fakten gesammelt. Entscheidend wären nun Schulen, wo diese gelehrt werden, um die Möglichkeit zu eröffnen, mit den Opfern aller Seiten mitzufühlen. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 18.7.2013)

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