Simulator für Gehirn-Eingriffe an der MedUni Wien im Einsatz

17. Juli 2013, 17:48
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"Es ist wie eine Art Flugsimulator am Gehirn"

An der Medizinischen Universität Wien kommt seit kurzem ein Simulator zum Einsatz, mit dem mikrochirurgische Operationstechniken trainiert werden können. Der sogenannte "Neuro Touch"-Simulator wird in Österreich bisher nur an der Universitätsklinik für Neurochirurgie im Wiener AKH verwendet. In die Entwicklung dieser Schulungstechnologie ist auch viel Know-How aus Wien eingeflossen, hieß es am Mittwoch in einer Aussendung der MedUni Wien.

Die einzige Universität aus dem nicht-amerikanischen Raum

Seit fünf Jahren existiere eine Kooperation zwischen der Universitätsklinik für Neurochirurgie der MedUni Wien und des AKH Wien unter der Leitung von Engelbert Knosp und dem National Research Council Canada (NRC), wo der Simulator im Detail entwickelt wurde. 2008 war an der MedUni Wien im Team des Neurochirurgen Stefan Wolfsberger im Rahmen einer Dissertation die Technologie für einen Simulator für die Hypophysen-Chirurgie entwickelt worden. Daraus resultierte die Kooperation Wien-Montreal. Die MedUni Wien ist die einzige Universität aus dem nicht-amerikanischen Raum, die an dieser Entwicklung beteiligt ist.

"Es ist wie eine Art Flugsimulator am Gehirn"

"Der Neuro Touch-Simulator besteht aus zwei haptischen Geräten, an welche neuro-chirurgische Instrumente gekoppelt sind", erklärte Wolfsberger. Beim virtuellen Bedienen am Computer spürt der Trainee einen "Widerstand" - wie bei der realen Operation. Damit lassen sich verschiedene Standard-Eingriffe, etwa auch die Operation eines Hirntumors, simulieren. "An der MedUni Wien werden jährlich rund 1.000 derartige Eingriffe gemacht, für die man an diesem Gerät trainieren kann", so Wolfsberger. "Es ist wie eine Art Flugsimulator am Gehirn. Und am Ende der Ausbildung gibt es den Führerschein, das 'Okay' für die selbstständige Operation."

In der Neurochirurgie sind zwar weltweit bereits andere Simulatoren im Einsatz, aber noch keiner mit derart umfassender und realitätsnaher Einsatzmöglichkeit und derart exakter Darstellung durch ein 3D-Mikroskop, hieß es. Der nächste Schritt in der Entwicklung der Simulator-Technologie in Kooperation mit dem NRC in Montreal, so Wolfsberger, sei die Verwendung patientenspezifischer Daten: "Zukünftig sollen Magnetresonanz-Aufnahmen des jeweiligen Gehirns einfließen, dann könnte jeder Eingriff am Vortag ganz exakt auf den jeweiligen Patienten zugeschnitten simuliert werden." (APA, 17.7. 2013)

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