"Die Jungen im Parlament sind nur Parteisoldaten"

Interview mit Video17. Juli 2013, 18:11
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Christoph Eiber, Jungpolitiker im Team Stronach, erklärt, wieso es kein gerechtes Pensionsalter gibt und warum Frank Stronach die Jugend so am Herzen liegt

STANDARD: Ihr Parteichef Frank Stronach ist 80 Jahre alt, Jugendleiter Stefan Markowitz 36. Was bringt junge Menschen wie Sie zum Team Stronach?

Eiber: Die Chance. Ich habe diesen Generationenkonflikt nie gesehen. Frank Stronach ist die Jugend sehr wichtig. Alle anderen Parteien fahren ihre Linie. Denkt man ein bisschen anders, kann man nicht mehr mit. Das Team Stronach ist sehr offen. Da ist es nicht so, dass grüne Ideen oder schwarze Ideen per se abgelehnt werden. Bei uns wird von der einen bis zur anderen Seite und auch über Grenzen hinaus gedacht.

STANDARD: Von außen hat man das Gefühl, die Jugend wird nicht sonderlich wertgeschätzt. Im Parteistatut werden dem ältesten Mitglied Sonderrechte eingeräumt, es entscheidet beispielsweise bei Stimmengleichheit.

Eiber: Dem kann ich definitiv widersprechen. Wenn die Jugend wo wertgeschätzt wird, dann ist das bei uns. Die Jungen von anderen Parteien im Parlament sind nur Parteisoldaten, die keine eigene Meinung vertreten, sondern den Vorgaben der Parteien folgen. Das sollte nicht sein.

STANDARD: Der Vorwurf, das Team Stronach sei eine zusammengewürfelte Truppe erfolgloser Politiker, hält sich hartnäckig, gerade was den Parlamentsklub betrifft.

Eiber: Den Klub, so wie er zustande gekommen ist, kann man befürworten oder nicht. Es ist einfach eine Möglichkeit, mediale Präsenz zu bekommen. Andere neue Parteien bekommen diese Aufmerksamkeit nicht. Das System gibt uns sonst keine Chance, auf uns aufmerksam zu machen.

STANDARD: Bekommen Sie ein Gehalt für Ihre Parteitätigkeit?

Eiber: Nein. Es wäre auch nicht in unserem Sinne. Jeder, der Politik für Geld macht, macht das aufgrund der falschen Gedanken. Politik muss mit einer Grundeinstellung gemacht werden.

STANDARD: Würden Sie im Falle eines Einzugs ins Parlament also auf Ihr Abgeordnetengehalt verzichten?

Eiber: Ich würde mir nur so viel nehmen, wie ich zum Leben brauche. Politiker, die ihren Job nur des Geldes wegen machen, haben im Parlament nichts verloren. Man müsste überlegen, ein Leistungssystem einzuführen. Im Nationalrat sitzen durchschnittlich von den 183 Abgeordneten nur 20 drinnen, und selbst die lesen Zeitung oder spielen mit dem Handy. Wenn ich das in der Privatwirtschaft in einer Sitzung mache, ist das respektlos.


Christoph Eiber hat keine politischen Vorbilder, sagt er, von seinem Parteichef Frank Stronach ist er aber "fasziniert".

STANDARD: Eine Bezahlung der Abgeordneten nach Leistung?

Eiber: Das wäre interessant. Die Frage ist, wie definiere ich Leistung im Parlament? Wer stellt die meisten Anfragen, wer die meisten Anträge?

STANDARD: Aus Ihrer Partei kommt viel Kritik an der großen Koalition. Hat es die SPÖ-ÖVP-Regierung nicht geschafft, das Land gut durch die Krise zu führen?

Eiber: Österreich steht im Großen und Ganzen gut da. Das ist aber nicht die Leistung der Regierung, sondern der Verdienst eines jeden Einzelnen da draußen, der in der Früh aufsteht und seine Arbeit macht. Wir haben im Vergleich zu anderen Staaten eine stark leistungsorientierte Mentalität, das ist prinzipiell gut. Sich dann auf diesen Lorbeeren auszuruhen und schlecht mit den Geldern des Volkes zu wirtschaften, das ist typisch Rot-Schwarz.

STANDARD: Welches Pensionsalter ist gerecht?

Eiber: Es gibt kein gerechtes Pensionsalter. Jemand, der 35 Jahre am Bau gearbeitet hat, hat sicher ein geringeres Pensionsalter zu erreichen als jemand, der sein ganzes Leben vorm Computer gesessen ist. Man muss ehrlich sein und kann nicht immer sagen, die Pensionisten bekommen mehr Geld, das muss auch irgendwer zahlen. Das ist unsere Generation. Der Generationenvertrag, den ich persönlich übrigens noch nie unterschrieben habe, ist alt und mit der demografischen Entwicklung nicht mehr haltbar. Jeder muss auch ein bisschen für sich selbst vorsorgen.

STANDARD: Das bedeutet: weg vom Generationenvertrag und Umlagesystem hin zur Stärkung der privaten Vorsorge?

Eiber: Wir wollen ein individuelles Pensionskonto, mit dem jeder selbst entscheiden kann, wann und mit welchen Abschlägen er in Pension geht. Wir können es unserer Generation nicht aufbürden, für alle vorzusorgen. Das wird einmal soziale Unruhen bringen. Ich bin ein friedvoller Mensch, ich will keine Unruhen in Österreich.

STANDARD: Andere Parteien grenzen sich sehr klar von der FPÖ ab, das Team Stronach nicht. Teilen Sie die Meinung der FPÖ in Sachen Zuwanderung?

Eiber: Ich werfe der FPÖ im Bereich der Ausländerpolitik mindestens so viel vor, wie es die Grünen tun. Wir haben eine Ausländerhetze sondergleichen, die Österreich unwürdig ist. Wir sagen: Zuwanderung ja gerne, aber qualifizierte. Wir brauchen einen gewissen Prozentsatz an Zuwanderung, aber keine Unterwanderung unseres Sozialsystems. Wer einen Beitrag leisten kann, ist willkommen. Man muss aber trennen zwischen Zuwanderung und Asyl.

STANDARD: Sie kandidieren auf der oberösterreichischen Landesliste. Unter den ersten 20 Plätzen befinden sich nur drei Frauen. Gleichzeitig will das Team Stronach Frauen fördern. Ein Widerspruch?

Eiber: Nein, absolut nicht. Wir würden uns sehr freuen, wenn mehr Frauen bei uns wären. Aber es waren einfach mehr Männer, die sich gemeldet haben.

STANDARD: Haben Sie eine Erklärung dafür?

Eiber: Das ist eine allgemeine Problematik. Quer durch alle Parteien sind einfach mehr Männer an der Politik interessiert. Woran das genau liegt, weiß ich nicht. (Philipp Stadler, DER STANDARD, 18.7.2013)


Christoph Eiber (25) kandidiert auf Platz sieben der oberösterreichischen Landesliste. Der HTL-Absolvent studiert Rechtswissenschaften an der Johannes-Kepler-Universität Linz und Psychologie an der Fernuniversität Hagen. Nebenbei ist der Nachwuchspolitiker Immobilienmakler und im Event-Marketing tätig. Zum Team Stronach kam er, weil er sich von keiner anderen politischen Partei repräsentiert fühlte. Mittlerweile ist er Jugendsprecher seiner Partei in Oberösterreich und arbeitet am Social-Media-Auftritt mit.

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