Sehnsucht nach Fritz

17. Juli 2013, 17:21
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Paul Kimberger ließ sich "nicht auf Zahlenspiele ein" und zog es vor, seiner TV-Ausstrahlung etwas Automatenhaftes zu verleihen

"Verstehe ich Sie richtig?", "Das verstehe ich nicht!", "Das ist mir zu allgemein" - Armin Wolf hat versucht, den Zustand der Verhandlungen um das Lehrerdienstrecht zu ergründen. Sogar einen Teppich hat er Paul Kimberger (Christliche Gewerkschaft) ausgerollt: "Die Verhandlungen sind offenbar ein Marathon", so Wolf, "und ein Marathon ist etwa 42 Kilometer lang: Bei welchem Kilometerstand sind wir heute?"

Kimberger jedoch ließ sich "nicht auf Zahlenspiele ein", zog es vor, seiner TV-Ausstrahlung etwas Automatenhaftes zu verleihen. Der Verhandlungsführer der Lehrergewerkschaft: "Wir haben noch ein Stück des Weges vor uns, wo noch einige Brocken zu besprechen und zu verhandeln sind. Das Ziel ist erkennbar, das Ziel ist machbar. Aber es gibt da noch ein paar Brocken. Das Ziel ist erkennbar, das Ziel ist machbar ..."

Mehrfach ging das so, und wahrscheinlich hätte es für Kimberger endlos so weitergehen können. Jedenfalls geschah Unglaubliches - es kam Sehnsucht nach Gewerkschafter Fritz Neugebauer auf. Zwar gibt selbiger auch gerne die sprechende Mauer der schlechten Laune, auf der "Nein" steht. Seinen Gussbetoncharme transportiert er allerdings immerhin mit Espritwürze. Kimbergers Auftritt hingegen führte ins Tal der TV-Sinnfragen.

Interviews dieser Art mögen ja von der Last der Verantwortung zeugen; sie mögen auch der eigenen Klientel Unbeugsamkeit signalisieren. Der breiteren Öffentlichkeit sind sie hingegen Zumutungen, die man gefälligst zumindest mit Pointen auszuschmücken hat. Wenn schon Automat, dann bitte ein lustiger. Schau nach bei Neugebauer, dessen Rhetorik man hofft, bald wieder fernsehmäßig genießen zu dürfen. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 18.7.2013)

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