Verwandtschaft zwischen Entzündungserkrankungen entdeckt

    17. Juli 2013, 15:17
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    Forscher konnten etwa die Verknüpfung zwischen der Schuppenflechte und speziellen Formen der Gelenk- und Wirbelentzündung nachweisen

    Erlangen - Entzündungen sind wichtige Abwehr- und Heilungsprozesse des Körpers, die zeitlich begrenzt sind. Im Gegensatz dazu handelt es sich bei chronischen Entzündungen um schwerwiegende Krankheitsbilder, die bleibende Organschädigungen verursachen können.

    Arthritis führt beispielsweise zu einer schmerzhaften Zerstörung der Gelenke, Knochen und der Wirbelsäule. Die Crohnsche Erkrankung (Morbus Crohn) befällt die Darmwand und zeigt sich in Krämpfen und blutigen Durchfällen. Schuppenflechte wiederum führt zu einer chronischen Entzündung der Haut. - Dennoch sind die Krankheiten miteinander "verwandt", wie Forscher des Universitätsklinikums der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) in experimentellen und klinischen Studien feststellen konnten.

    "Die Verwandtschaft entzündlicher Erkrankungen ist manchmal nur eine entfernte, teils aber auch eine enge, fast 'familiäre' Beziehung. Wir konnten nun feststellen, dass zwar nicht alle entzündlichen Erkrankungen die gleichen Mechanismen benutzen, aber dennoch erstaunliche Gemeinsamkeiten aufweisen. So reagieren fast alle dieser Krankheiten gut auf die therapeutische Hemmung eines bestimmten Entzündungsstoffes - den sogeannten Tumor-Nekrose-Faktor", erklärt Studienleiter Georg Schett.

    Schaden oder Nutzen

    Darüber hinaus ließen sich weitere Gemeinsamkeiten zwischen den einzelnen Erkrankungen ausmachen: Beispielsweise besteht hinsichtlich der Abhängigkeit von bestimmten Entzündungsbotenstoffen eine enge Verbindung zwischen der rheumatoiden Arthritis, einer schweren Form des Gelenkrheumas, und einer seltenen Form der Gefäßentzündung, der Riesenzellenarteriitis, die vor allem im Alter auftritt und zu gefährlichen Gefäßverschlüssen führen kann. 

    Eine weitere Allianz bildet die Gicht mit bestimmten Formen des kindlichen Rheumas: Beide Erkrankungen sind stark von dem Entzündungseiweiß Interleukin-1 abhängig. Ebenso konnten die Wissenschaftler eine Verknüpfung zwischen der Schuppenflechte und speziellen Formen der Gelenk- und Wirbelentzündung erkennen. 

    Ähnliches ließ sich für chronische Darmentzündungen feststellen: "Die Darmentzündung spricht auf einige Entzündungshemmer ausgezeichnet an, während andere Wirkstoffe wenig hilfreich oder sogar schädlich sind. Unsere Untersuchungen haben aber auch gezeigt, dass es Entzündungshemmer gibt, die insgesamt eine positive Wirkung auf das Gleichgewicht der Organfunktionen ausüben. Hemmen wir den falschen Botenstoff einer Entzündungsreaktion, können wir mehr Schaden als Nutzen anrichten", gibt Markus Neurath vom Universitätsklinikum Erlangen zu bedenken. (red, derStandard.at, 17.7.2013)

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