Industriebrot soll kein Bauernbrot sein dürfen

17. Juli 2013, 13:47
190 Postings

Auch industriell gefertigte Produkte dürfen sich mit dem Prädikat Bauern-Qualität schmücken, das gefällt so manchem gar nicht

Bauernbrot, Bauernkäse, Bauernbutter oder Bauernwurst: Auch komplett industriell oder gewerblich gefertigte Produkte finden unter derartigen Bezeichnungen ihren Weg in die heimischen Regale. Meist völlig legal. Eine von 40.000 Österreichern unterstützte Unterschriftenaktion der Landwirtschaftskammer fordert nun "Bauernbrot ist Brot vom Bauernhof", wie es auf einer Pressekonferenz zur Kampagne am Mittwoch in Wien hieß.

Was denn sonst, fragt sich der geneigte Konsument eventuell. Einiges. Je nach Produkt ist "Bauern-Qualität" unterschiedlichst definiert. Ein konkreter Bezug zum heimischen Bauernhof muss nicht gegeben sein, selbst wenn mit rot-weiß-roten Fahnen und regionalen Bezeichnungen gearbeitet wird.

Mehr Transparenz gefordert

Gerade die Begriffe "Land"- und "Bauernbrot" beziehen sich derzeit laut Lebensmittelkodex explizit nicht auf die Herkunft des Nahrungsmittels. Dieses muss jedoch beispielsweise "aus überwiegend hochausgemahlenen Mehltypen hergestellt" werden und über eine lange Frischhaltung und einen kräftigen Geschmack verfügen.

Gerade bei Fleischerzeugnissen sind viele Konsumenten besonders kritisch; die Nachfrage nach regionalen Produkten stieg in den vergangenen Jahren. Doch die Vorstellung, dass ihr Nahrungsmittel von einem heimischen Landwirtschaftsbetrieb kommt, wird den Verbrauchern oft nur vorgegaukelt. "Wir fordern Transparenz und Klarheit", meinte Landwirtschaftskammer-Vertreter Christian Jochum. "Was draufsteht, muss drin sein." Und zwar in Zukunft ausschließlich von den rund 46.000 bäuerlichen Lebensmittelproduzenten.

Konsumententäuschung

Negativbeispiele wie der gesundheitsschädliche "Hartberger Bauernquargel", der aus nichtösterreichischer Milch in einer heimischen Fabrik erzeugt wurde, hätten die Konsumenten getäuscht und eine Nähe zur Landwirtschaft vorgegaukelt, die so nie bestanden habe. "Der Käse hätte niemals die Bezeichnung 'Bauer' im Namen tragen dürfen", hieß es. Ähnlich sei es um die "Lavanttaler Bauernwurst" bestellt, die ausschließlich aus ausländischem Fleisch zubereitet wurde.

Manches könnte man sich auf Verbraucherseite eventuell vor dem Kauf zusammenreimen - "Holländische Almbutter" und Ähnliches könnte durchaus Skepsis auslösen. Bei anderen Köstlichkeiten werde hingegen ganz bewusst manipuliert. Diesbezüglich bestehen die Interessenvertreter auf Transparenz, Eindeutigkeit und einer Verbesserung des Täuschungsschutzes beziehungsweise einer klaren Definition der Begriffe "Täuschung" und "Irreführung". Derzeit existieren rund 15 Begriffe, die mit "bäuerlichen" Lebensmitteln in Zusammenhang stehen.

Die Lebensmittelkennzeichnung wird grundsätzlich von der EU geregelt, den Mitgliedsstaaten obliegt die Umsetzung. National wird auch entschieden, was jeweils unter "irreführend" verstanden werden muss. (APA, 17.7.2013)

Link

Hier geht es zu der Unterschriftenliste: Bauernbrot ist Brot vom Bauernhof

  • Dass sich manches Produkt so darstellt, als komme es direkt vom Bauernhof oder von der Alm, sehen manche als Konsumententäuschung.
    foto: lidl/gölling

    Dass sich manches Produkt so darstellt, als komme es direkt vom Bauernhof oder von der Alm, sehen manche als Konsumententäuschung.

Share if you care.