Rocket Internet bekommt eine Milliarde Dollar von Investoren

17. Juli 2013, 12:55
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Start-Up-Entwickler bringt Internet-Firmen an die Börse

Die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet will mit frischem Kapital ihr Geschäft in Wachstumsmärkten wie Lateinamerika und Asien massiv ausbauen. Das Unternehmen der drei Samwer-Brüder Marc, Oliver und Alexander hat seit Jahresbeginn Investitionen von rund einer Milliarde Dollar (gut 764 Mio. Euro) angezogen, wie Mitgründer Oliver Samwer der Nachrichtenagentur dpa am Dienstag sagte. Samwer verteidigte auch das mitunter kritisierte Geschäftsmodell der Firma.

"Wir konzentrieren uns vor allem auf Länder außerhalb der USA und Chinas, wo in den kommenden fünf Jahren das größte Wachstum der Internet-Verbreitung zu erwarten ist."

Verschiedene Investoren steckten 650 Millionen Dollar in einzelne Rocket-Gründungen. Hinzu kamen vergangene Woche rund 400 Millionen für die Muttergesellschaft von den beiden großen Geldgebern Kinnevik und Access.

"Das Geld soll vor allem für die internationale Expansion von Rocket Internet eingesetzt werden", erklärte Samwer. "Wir konzentrieren uns vor allem auf Länder außerhalb der USA und Chinas, wo in den kommenden fünf Jahren das größte Wachstum der Internet-Verbreitung zu erwarten ist." Deshalb sei Rocket inzwischen nicht nur in Europa aktiv, sondern auch in Lateinamerika, Südost-Asien, Indien, Russland, Australien, Afrika und dem Mittleren Osten.

Rocket Internet ist derzeit nach eigenen Angaben an 75 Unternehmen in 50 Ländern beteiligt, die insgesamt rund 20.000 Mitarbeiter haben. Der von den Brüdern Marc, Oliver und Alexander Samwer gegründete Start-up-Entwickler setzt besonders auf Onlinehandel, etwa mit der deutschen Modeseite Zalando sowie ähnlichen Websites in Russland, Asien, dem Nahen Osten und Afrika. Außerdem gehören Lebensmittel-Lieferdienste wie Foodpanda und Bezahl-Dienstleister wie Payleven oder Paymill zur Unternehmensgruppe.

"Wir meiden kurzfristig denkende Anleger wie Hedge-Fonds. Ein langer Atem wird belohnt."

Das Geschäftsmodell von Inkubatoren wie Rocket ist es, Internet-Unternehmen zu entwickeln und anschließend an die Börse zu bringen oder zu verkaufen. Seine Investoren wie Kinnevik und Access hätten aber einen langen Atem und drängten nicht auf eine schnelle Rendite, betonte Samwer. "Wir meiden kurzfristig denkende Anleger wie Hedge-Fonds. Ein langer Atem wird belohnt."

In der Vergangenheit wurde immer wieder kritisiert, dass Rocket für seine eigenen Start-ups die Geschäftsideen amerikanischer Unternehmen nachbaue. Zalando etwa lehnt sich an den US-Händler Zappos an. Samwer wies diese Vorwürfe zurück: "Neue Unternehmen bauen immer auf Geschäftsmodelle auf, die es bereits irgendwo auf der Welt gab." Es gebe zwar ganz wenige "Einstein-Unternehmer" wie den Erfinder der Glühbirne oder des Telefons. "Aber zu 99 Prozent entscheidet die Umsetzung der Idee. Am Ende kommt es nicht darauf an, ob ich als erster eine Idee gehabt habe, sondern darauf, ein Unternehmen aufzubauen, das langfristig existiert und Kunden zufriedenstellt." (APOA, 17.7. 2013)

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