Ex-Weltrekordler fordert Annullierung der Sprint-Rekorde

17. Juli 2013, 12:14
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Armin Hary fordert drastische Strafen: "Am besten lebenslang sperren"

Deutschlands Leichtathletik-Legende Armin Hary hat als Reaktion auf die jüngsten Doping-Enthüllungen die Streichung der Sprint-Weltrekorde gefordert. "Man sollte einen Strich ziehen und sagen: Wir annullieren alle Weltrekorde im Sprint. Alles, was unter zehn Sekunden ist, streichen wir erst einmal", sagte der Olympiasieger von 1960 in einem Interview der "Abendzeitung" (Mittwoch). Damit reagierte Hary auf die positiven Tests der Top-Sprinter Tyson Gay (USA) und Asafa Powell (Jamaica).

"Ich will nicht sagen, dass dies der Tod der Leichtathletik ist, aber wir sind sehr, sehr krank", sagte Hary, der die 100 Meter als erster Mensch in 10,0 Sekunden gelaufen war. Der inzwischen 76-Jährige erhob schwere Vorwürfe gegen Athleten, die des Dopings überführt sind. "Das tut mir alles sehr, sehr weh. Sie treten den Sport, den ich derart liebe, mit Füßen."

"Man sollte diese Rekorde streichen, bis man sicher sein kann, dass die Leistungen wieder sauber errungen wurden", sagte Hary. Dafür seien drastische Strafen für überführte Dopingsünder notwendig. "Wir müssen die zehn Jahre, am besten lebenslang sperren", forderte er. "Wenn man das durchzieht, haben wir in fünf bis zehn Jahren wieder saubere Olympische Spiele."

Powell-Trainer Xuereb: "Athleten suchen Sündenbock"

Unterdessen wies der Fitnesstrainer von Asafa Powell und Sherone Simpson jede Schuld von sich. "Beide Athleten sind eindeutig auf der Suche nach einem Sündenbock. Ich habe Asafa Powell und Sherone Simpson nicht mit verbotenen oder illegalen Substanzen versorgt", beteuerte Christopher Xuereb in einer Stellungnahme.

Am Dienstag hatte der Manager der beiden Sprinter den Coach für die positiven Tests auf Oxilofrin verantwortlich gemacht. Es müsse mit den von Xuereb verabreichten Nahrungsergänzungsmitteln zusammenhängen, sagte Powells Agent Paul Doyle. Powell sei in der Vergangenheit oftmals kontrolliert worden und alle Tests seien negativ gewesen. Nun war aber schon der erste Test seit der Verpflichtung von Xuereb positiv, sagte Doyle. Man wolle nicht Xuereb die Schuld für alles geben, aber er sei derjenige gewesen, der die Präparate zur Verfügung gestellt habe.

Der Kanadier Xuereb erklärte, alle von ihm empfohlenen Vitaminpräparate wären in seriösen Geschäften gekauft worden und große Marken. "Die bei mir gefundenen Präparate wurden von der italienischen Polizei als legal befunden. Ich weiß nicht, was die Athleten zusätzlich genommen haben", teilte Xuereb mit.

Laut der Online-Ausgabe der Zeitung "Toronto Star" ist Xuerebs Freundin Esther Akinsulie (29), eine kanadische Sprinterin, heuer wegen des Nachweises von Hydrochlorothiazid für sechs Monate (bis 8. August) gesperrt worden. Diese Substanz steht auf der Verbotsliste, weil sie zur Verschleierung von Dopingmitteln verwendet werden kann. (APA, 17.7.2013)

  • Beim goldenen Olympia-Zieleinlauf 1960 war der deutsche Armin Hary 10,2 Sekunden lang unterwegs. Kurz davor hatte er in Zürich als erster Mensch 100 Meter in handgestoppten 10,0 Sekunden zurückgelegt - auf einer Aschebahn. Jetzt fordert er die Annullierung aller Weltrekorde unterhalb dieser Zeit.
    foto: apa

    Beim goldenen Olympia-Zieleinlauf 1960 war der deutsche Armin Hary 10,2 Sekunden lang unterwegs. Kurz davor hatte er in Zürich als erster Mensch 100 Meter in handgestoppten 10,0 Sekunden zurückgelegt - auf einer Aschebahn. Jetzt fordert er die Annullierung aller Weltrekorde unterhalb dieser Zeit.

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