Weniger Kredite bringen weniger Pleiten

17. Juli 2013, 18:50
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Creditreform: Die restriktivere Kreditvergabe von Banken wird heuer die Zahl der Privatpleiten zurückgehen lassen

Haushalte haben im Vorjahr ihr Obligo deutlich verringert. Heuer dürfte der Umkehrtrend anhalten. Das war nicht immer so: Seit 2003 ist die private Verschuldung kontinuierlich gestiegen, geht aus Daten der Nationalbank hervor. Vor zehn Jahren lag das Verhältnis zum verfügbaren Einkommen noch bei 80 Prozent und kletterte bis 2010 auf den Höchststand von 95,6 Prozent.

Bis Ende 2012 sanken die Verbindlichkeiten auf 92,5 Prozent oder 163 Milliarden Euro und sind auch im ersten Halbjahr nahezu unverändert. Der Rückgang der Verschuldung lässt auch die Privatinsolvenzen schrumpfen. Creditreform meldet für das erste Halbjahr einen Rückgang der Privatpleiten von 3,5 Prozent auf 5300. Laut AKV ist auch die von den Insolvenzen erfasste Schuldensumme gesunken, und zwar von 559 auf 458 Millionen Euro. Durchschnittlich betragen die Verbindlichkeiten der insolventen Personen 120.000 Euro. Creditreform-Chef Gerhard Weinhofer bringt diese Entwicklung mit der restriktiven Vorgangsweise der Banken in Zusammenhang: "Neue Kredite sind schwerer zu erhalten - damit sinkt die Neuverschuldung - und für einen Zahlungsplan benötigt man ein regelmäßiges Einkommen." Generell sinken die Insolvenzen bei schlechter Konjunkturlage auch deshalb, weil die Schuldner mangels Jobchancen weniger Aussicht haben, die erforderlichen Teilrückzahlungen leisten zu können.

Gestiegen sind freilich die abgewiesenen Schuldenregulierungsverfahren, wie die Privatinsolvenzen offiziell heißen. Der Zuwachs um zwölf Prozent auf 600 Fälle spiegelt wider, dass bei immer mehr Personen mangels Einkommens und Zahlungsplans auf die Eröffnung eines Verfahrens verzichtet wird. Mit etwas mehr als zehn Prozent abgewiesenen Anträgen liegt die Quote deutlich unter den abgewiesenen Firmenpleiten.

Der Rückgang bei den Privatinsolvenzen hat freilich auch seine Schattenseiten. Seit Jahren ist eine Verbesserung des Verfahrens im Gespräch, allerdings blieb die Politik untätig. Einer der Anknüpfungspunkte: Derzeit müssen die Gläubiger spätestens nach sieben Jahren zehn Prozent ihrer Forderungen erhalten. Hier waren immer wieder Änderungen im Gespräch, beispielsweise sollte eine Beendigung des Verfahrens auch möglich sein, wenn nach fünf Jahren 30 Prozent der Schulden beglichen sind. Auch die Unterschreitung der zehnprozentigen Quote ist beispielsweise bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit möglich - allerdings fordern Schuldnerberater eine Lockerung der Kriterien.

Sie verweisen auf rund 55.000 Personen, die wegen Finanzproblemen Hilfe suchen, also das Fünffache der tatsächlichen Privatkonkurse. Insgesamt schätzt der KSV1870, dass in Österreich 100.000 Personen zahlungsunfähig sind. (as, DER STANDARD; 18.7.2013)

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    In wurden wurden 16 von 10.000 Erwachsenen zahlungsunfähig, der Österreich-Schnitt lag bei 8 zu 10.000.

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