In U-Haft missbraucht: 14-Jähriger muss nicht zu Verhandlung erscheinen

17. Juli 2013, 10:44
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Gericht: Missbrauchsopfer ist Prozess wegen Raubes nicht zuzumuten

Wien - Die für kommenden Montag geplante Verhandlung gegen den 14-Jährigen, der Anfang Mai in einer Zelle auf der Jugendabteilung der Justizanstalt Wien-Josefstadt von zwei älteren Mitgefangenen vergewaltigt wurde, findet nicht in der vorgesehenen Form statt. Der Jugendliche wird sich aus gesundheitlichen Gründen erst zu einem späteren Zeitpunkt wegen Raubes vor einem Schöffensenat verantworten müssen, gab Gerichtssprecherin Christina Salzborn bekannt.

Der 14-Jährige soll Ende April gemeinsam mit zwei älteren Jugendlichen und einem noch strafunmündigen Burschen auf offener Straße versucht haben, einem Mann das Mobiltelefon abzunehmen. Die Tatverdächtigen sollen vermummt gewesen sein und den Ermittlern zufolge zwei Messer gezückt haben. Zudem soll das Quartett bereits einen weiteren Raub geplant gehabt haben.

Wenige Tage nach Verhaftung missbraucht

Die drei strafmündigen Burschen wurden daraufhin in U-Haft genommen. Die Altersgrenze ist ab Vollendung des 14. Lebensjahres gegeben. Wenige Tage nach der Festnahme - in der Nacht auf den 7. Mai - wurde der Jugendliche in der Justizanstalt Josefstadt missbraucht.

Die Verhandlung wegen des gescheiterten Straßenraubes wird nun ohne ihn stattfinden. Vor Gericht werden sich vorerst nur seine zwei älteren mutmaßlichen Komplizen zu verantworten haben. Grund: Die psychosoziale Prozessbegleitung des Burschen hat das Straflandesgericht informiert, "dass eine Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen derzeit nicht zumutbar wäre", berichtete Gerichtssprecherin Salzborn.

Jugendlicher befindet sich im Ausland

Der Bursch, der seit seiner Enthaftung in einer betreuten Wohngemeinschaft lebt, befindet sich außerdem derzeit im Ausland. Dafür seien therapeutische Umstände maßgeblich. Ihm konnte die Raubanklage noch gar nicht zugestellt werden, so dass eine angemessene Vorbereitungszeit auf die Verhandlung nicht gegeben gewesen wäre.

Staatsanwaltschaft beharrt auf Anklage

Wann er vor Gericht muss, steht noch nicht fest. Ein psychiatrisches Gutachten bescheinigt ihm eine verzögerte geistige Reife. Daher ist fraglich, ob überhaupt eine Strafbarkeit gegeben ist: Denn der Jugendliche war gemäß einer Bestimmung im Jugendgerichtsgesetz womöglich gar nicht in der Lage, das Unrecht seiner Tat einzusehen. Dennoch beharren die Staatsanwaltschaft Wien und die ihr übergeordneten Behörden auf der Anklage.

Maßnahmenpaket als Folge

Das Schicksal des Burschen hatte eine heftige Diskussion über den Jugendstrafvollzug ausgelöst. Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) kündigte in diesem Zusammenhang ein 25 Punkte umfassendes Maßnahmenpaket an, das Verbesserungen bringen soll. Unter anderem soll eine Arbeitsgruppe möglichst rasch Alternativen zur U-Haft für unter 18-Jährige entwickeln. (APA/red, derStandard.at, 17.7.2013)

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