Woraus Shampoo, Maggi und Margarine bestehen

17. Juli 2013, 10:27
20 Postings

"Codecheck.info" hat sich als Informationsquelle zu Inhaltsstoffen etabliert, aus denen Lebensmittel und Kosmetika gemacht werden

"Lavera Kids Sun-Spray", ein Sonnenschutz für Kinder, scheint ein vorbildliches Produkt zu sein: 28 der Inhaltsstoffe, vom Lichtschutzfilter Zinkoxyd bis zum Farbstoff E171, sind gemäß der Kosmetikliste des Verbrauchermagazins Öko-Test als "empfehlenswert" eingestuft. Nur einer der Duftstoffe, "Coumarin", sei "weniger empfehlenswert". Unter den Inhaltsstoffen des Shampoos "Head & Shoulders Anti-Haarverlust" finden sich neben 18 "empfehlenswerten" dagegen acht, die als "nicht empfehlenswert" eingestuft sind. Sie stehen unter Verdacht, krebserregend zu sein, Allergien auszulösen oder sind als "irritierend" eingestuft.

Daten zu Inhaltsstoffen

Informationen dieser Art macht das Portal Codecheck.info verfügbar. Die Plattform führt Daten zu Inhaltsstoffen von in Österreich, Deutschland und der Schweiz erhältlichen Kosmetika und Nahrungsmitteln mit Expertenbewertungen zusammen. Mittlerweile ist eine entsprechende App verfügbar, die Produkte anhand ihrer Barcodes erkennt. Neueste Errungenschaft ist die Ausweisung von Produkten, die Palmöl beinhalten.

Hinter dem Projekt steht der Schweizer Roman Bleichenbacher. Mehr als zehn Jahre ist es her, als er für seine Diplomarbeit eine Website entwarf, die im Internet verstreute Produktinformationen bündeln sollte. "Ich habe mit Freunden anfänglich 300 Produkte erfasst", sagt er zum STANDARD. Bedarf an den Informationen war offenbar da, denn die Idee hat eine breite Community gefunden, die emsig Produktinformationen von Verpackungen abtippt. Die Daten werden dann mit Einschätzungen von NGOs und Konsumentenschützern kombiniert. Die Experteninformationen kommen etwa von Greenpeace, Stiftung Warentest, den Adipositasstiftungen Deutschland und Schweiz sowie der Arbeiterkammer Wien. Bei Lebensmitteln gibt eine "Nährwertampel" Überblick über Fett-, Zucker- und Salzgehalt. Sie folgt Einschätzungen der britischen Food Standard Agency. Auch Bio- und Gütesiegel werden bewertet.

Länderübergreifender Preisvergleich

Derzeit seien Informationen zu 165.000 Lebensmitteln und Kosmetika vorhanden. Ein mittlerweile eingebundener, länderübergreifender Preisvergleich führt Händlerdaten zu 13 Millionen Artikeln zusammen. Neun Millionen Nutzer rufen pro Jahr die Seite auf, die App wurde bereits 1,6 Millionen Mal downgeloadet. Das Zürcher Unternehmen beschäftigt heute fünf Mitarbeiter und finanziert sich über Werbeeinnahmen und Datenzusammenstellungen zu Produkten, die es Drittfirmen und NGOs anbietet.

Manchen Herstellern sei die Transparenz ein Dorn im Auge, sagt Bleichenbacher. "Wir hatten schon Androhungen von Konzernen, dass sie rechtlich gegen uns vorgehen würden." Er wünscht sich, dass mehr Hersteller Daten zu ihren Produkten direkt zur Verfügung stellen.

Maggi

Ölpalmen statt Regenwald Dass die Plattform Einfluss hat, habe sich gezeigt, als Maggi die Zutaten seiner Würze geändert hat. Nach einem "Sturm der Entrüstung", der auch auf dem Codecheck-Portal wütete, sei die Änderung zurückgenommen worden.

Mit den neu eingeführten Palmölangaben will Codecheck einen Beitrag zum Erhalt der Regenwälder vor allem in Südostasien leisten, die den Ölpalmenmonokulturen weichen müssen. Die Nachfrage nach dem billigen Pflanzenöl sei in den vergangenen Jahren explodiert. Es befinde sich in der "Rama"-Margarine, aber auch in Waschmitteln und vielen Lebensmitteln sowie Kosmetika, erklärt Bleichenbacher. Dabei gebe es Alternativen. Auch der erwähnte Lavera-Sonnenschutz verwendet Palmöl, allerdings aus nachhaltiger Bioproduktion. (Alois Pumhösel, Der Standard, 17.7. 2013)

Share if you care.