"Und plötzlich ist man im Wald"

18. Juli 2013, 17:00
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Sie ist ein Energiebündel: Im Residenzhof verkörpert Karoline Eichhorn im "Sommernachtstraum" eine Doppelrolle. Warum sie sich als "altmodische Schauspielerin" sieht, erklärte sie Thomas Trenkler

Die Salzburger Residenz gleich neben dem Dom diente immer wieder als Veranstaltungsort, meist von Mozart-Opern. In Erinnerung blieb zum Beispiel Mitridate in der Inszenierung von Günter Krämer im Jahr 2005: Mozart-Puppen mit Kulleraugen rutschten im Innenhof höchst effektvoll eine schräge Holzwand hinab. 2007 spielten Barbara Sukowa und Jeroen Willems Quartett von Heiner Müller – im Carabinieri-Saal, benannt nach der Leibgarde des Fürsterzbischofs.

Die temporäre Überdachung des Innenhofs schützte zwar vor einsetzendem Regen, doch das Prasseln überlagerte mitunter die Stimmen. 2012 wurde die Spielstätte mit einer neuen Überdachung wiederbelebt: Zu sehen war Das Labyrinth, ein recht amüsantes Singspiel, mit dem Emanuel Schikaneder den epochalen Erfolg von Mozarts Zauberflöte fortzusetzen versuchte, zu der er das Libretto verfasst hatte. Heuer folgt im Residenzhof William Shakespeares Ein Sommernachtstraum samt der Schauspielmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy. Das passt irgendwie.

Denn der erste und der fünfte Akt der Liebeskomödie spielen im Palast des Theseus, der dort Hippolyta zu heiraten gedenkt. Und die Residenz, im 16./17. Jahrhundert prächtig ausgebaut, ist ein Palast. Zudem war der eine oder andere Fürsterzbischof der fleischlichen Lie­be durchaus zugetan. Wolf Dietrich von Raitenau zum Beispiel, der große Bauherr, auf den der Dom in der heutigen Größe, Schloss Mirabell und auch die Neue Residenz zurückgehen, hatte mit seiner Gefährtin Salome Alt 15 Kinder. Als Bühnenbild setzt Jan Meier, der auch die Kostüme entworfen hat, ein großes Baugerüst ein: Es ermöglicht ein rasantes Spektakel auf mehreren Ebenen, das Orchester ist Teil der Szenerie.

Karoline Eichhorn schwärmt geradezu: "Man reißt Transparente weg, die den Hof gezeigt haben, und plötzlich ist man im Wald." Dort erleben einige der Figuren, den Streichen der Elfen ausgeliefert, seltsame Gefühlsverirrungen. Um die Rahmen- mit der Traumhandlung stärker zu verzahnen, operieren Regisseure gerne mit Doppelrollen. So auch diesmal: Michael Rotschopf spielt sowohl Theseus und den Herzog von Athen als auch Oberon, den König der Elfen. Und Karoline Eichhorn ist nicht nur Hippolyta, sondern auch Titania, die Königin der Elfen. "Die beiden haben eine gewisse Ähnlichkeit", sagt Eichhorn. "Sie wissen sehr genau, was sie wollen. Der Unterschied ist nur: Die eine, Hippolyta, ist sterblich, die andere, Titania, unsterblich."

Neue Herausforderungen suchen

Eichhorn, 1965 in Stuttgart geboren, bezeichnet sich als "altmodische Schauspielerin". Denn sie arbeitete schon früh mit Andrea Breth, Klaus Michael Grüber oder Luc Bondy: "Die sind alle keine Stückezertrümmerer." Ihr Debüt gab sie 1989 an der Berliner Schaubühne – in einer Kirschgarten-Inszenierung Peter Steins.

Lang hielt sie es an keinem Theater aus, immer wieder suchte Eichhorn neue Her­ausforderungen. 2002 war sie für eine Produktion am Burgtheater in Wien engagiert: Mit ganz kurzen Haaren und einem sehnigen Körper zog sie als wild fauchende Jungfrau von Orleans in die Schlacht. "Die Rolle hat viel Kraft gekostet", erinnert sich Eichhorn. "Ich hab echt Federn gelassen. Manchmal hatte ich richtig Angst, dass ich eine Vorstellung kräftemäßig nicht schaffe." Sie drehte auch Filme, darunter 1994 das Nachkriegsdrama Drei Tage im April von Oliver Storz und 1995 den Psychothriller Der Sandmann. Sie spielte in Tatort-Folgen mit, ihre Schwäbisch-Kenntnisse konnte sie 2012 im Film Die Kirche bleibt im Dorf einbringen, dem eine TV-Serie folgte.

Ihr Herz aber gehört dem Theater. Als Sven-Eric-Bechtolf, der Schauspieldirektor der Festspiele, fragte, ob sie nicht Lust hätte, beim Sommernachtstraum mitzumachen, habe sie sogleich Ja gesagt – ­obwohl sie niemanden kannte. Aber: "Ein Team zu finden – und zusammen etwas hinzukriegen: Das ist das Schönste!" Eichhorn tritt aber nicht zum ersten Mal bei den Festspielen auf. Sie war dabei, als Andrzej Wajda seinen Film Die Hochzeit im Landestheater für die Bühne adaptierte. Doch das ist schon lange her. Denn das war 1992. (Thomas Trenker, Rondo Spezial, DER STANDARD, 19.7.2013)

Residenzhof

  • Haupthof der Salzburger Residenz
  • seit den 1920ern von den Festspielen genutzt
  • 740 Sitzplätze
  • seit 2012 regenfest überdacht
  • 3. August 2013: Premiere Ein Sommernachtstraum

Beim „Sommernachtstraum" im Residenzhof wird es rundgehen: Karoline ­Eichhorn gibt immer alles.


Dieser Artikel wurde finanziert von Montres Rolex SA. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Beim "Sommernachtstraum" im Residenzhof wird es rundgehen: Karoline Eichhorn gibt immer alles.
    foto: lisi specht

    Beim "Sommernachtstraum" im Residenzhof wird es rundgehen: Karoline Eichhorn gibt immer alles.

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