Studie diagnostiziert Österreichern ein Problem mit kultureller Vielfalt

17. Juli 2013, 12:13
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Österreich bei Studie über gesellschaftlichen Zusammenhalt im oberen Mittelfeld, aber "besorgniserregende Platzierung bei Diversität" - Skandinavische Staaten an der Spitze

Das von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebene "Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt" kommt zu einem für Österreich nur mäßigen Ergebnis. Laut der am Dienstag veröffentlichten Studie liegt Österreich unter den 27 EU-Staaten und sieben weiteren untersuchten OECD-Ländern mit Platz 13 im oberen Mittelfeld.

Fehlende Akzeptanz belastet Zusammenleben

Besorgniserregend ist laut dem Radar Österreichs schwache Platzierung beim Umgang mit Diversität. Dabei gehe es darum, wie sehr Minderheiten und deren Lebensstil toleriert werden, etwa bei Einwanderern oder Homosexuellen. "Hier zeigt der Vergleich mit anderen Einwanderungsländern, dass ein hoher Anteil an Migranten kein grundsätzliches Hindernis für starken Zusammenhalt ist. Vielmehr belastet die fehlende Akzeptanz von Vielfalt das Zusammenleben", fassen die Studienautoren den Status Österreichs zusammen.

"Moderne Gesellschaften beruhen nicht auf Solidarität, die aus Ähnlichkeit erwächst, sondern auf Solidarität, die auf Verschiedenheit und gegenseitiger Abhängigkeit fußt", erklärt Stephan Vopel, Programmleiter der Bertelsmann-Stiftung. "Deshalb benötigen moderne Gesellschaften einen inklusiven gesellschaftlichen Zusammenhalt, der die Pluralität der Lebensentwürfe und Identitäten nicht nur als gegeben hinnimmt, sondern als Stärke zu begreifen sucht."

Anerkennung von Regeln als Stärke

"Eine besondere Stärke Österreichs besteht darin, dass soziale Regeln anerkannt werden", heißt es im Länderbericht. Beim Faktor "Solidarität und Hilfsbereitschaft" sind die Bürger im letzten Erhebungszeitraum (2009 bis 2012) von der Spitzengruppe ins obere Mittelfeld zurückgefallen. Eine positive Entwicklung gab es bei der Teildimension "Soziale Vernetzung und Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben".

Starker Zusammenhalt im Norden

Über alle untersuchten Länder hinweg zeigt sich, dass der stärkste gesellschaftliche Zusammenhalt in den nordeuropäischen Staaten und den angelsächsisch geprägten Ländern Kanada, USA, Australien und Neuseeland bestehe.

Am Ende der 34 Länder umfassenden Liste stehen Israel, Zypern, Litauen, Lettland, Bulgarien, Griechenland und Rumänien. Laut den Kennzahlen ist der Gemeinsinn der Bürger eines Landes dann am stärksten ausgeprägt, wenn es Wohlstand gibt und dieser möglichst gerecht verteilt ist. Ein weiterer Faktor ist der Aspekt des technologischen Fortschritts hin zur Wissensgesellschaft.

Soziale Beziehungen, Verbundenheit und Gemeinwohlorientierung

Den gesellschaftlichen Zusammenhalt definiert die Stiftung als als Qualität des gemeinschaftlichen Miteinanders. Für die Studie werden seit 1989 international vergleichbare Erhebungen untersucht. Das Gesamtergebnis setzt sich aus den Bereichen soziale Beziehungen, Verbundenheit und Gemeinwohlorientierung zusammen.

Sie werden auf die neun Teildimensionen Soziale Netze, Vertrauen in Mitmenschen, Akzeptanz von Diversitäten, Identifikation, Vertrauen in Institutionen, Gerechtigkeitsempfinden, Solidarität und Hilfsbereitschaft, Anerkennung sozialer Regeln sowie gesellschaftliche Teilhabe heruntergebrochen. (red, derStandard.at, 17.7.2013)

Erklärung

  • Dunkelblau steht für eine Platzierung in der Spitzengruppe
  • Blau für das obere Mittelfeld
  • Hellblau für die Mittelgruppe
  • Gelb für das untere Mittelfeld und
  • Orange für die Schlussgruppe

Link

Radar gesellschaftlicher Zusammenhalt: Länderbericht Österreich

  • Die Österreicher halten zusammen, aber die Mitbürger sollten bitte nicht allzu viel anders sein als man selbst.
    foto: apa/markus leodolter

    Die Österreicher halten zusammen, aber die Mitbürger sollten bitte nicht allzu viel anders sein als man selbst.

  • Am größten ist der Zusammenhalt in einer Gesellschaft, wenn die Einkommen möglichst gleich verteilt sind.
    grafik: bertelsmann stiftung

    Am größten ist der Zusammenhalt in einer Gesellschaft, wenn die Einkommen möglichst gleich verteilt sind.

  • Statistisch noch signifikanter ist die Korrelation zwischen Gemeinsinn und Bruttoinlandsprodukt.
    grafik: bertelsmann stiftung

    Statistisch noch signifikanter ist die Korrelation zwischen Gemeinsinn und Bruttoinlandsprodukt.

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