Steine sammeln

18. Juli 2013, 17:01
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Stumme Monumente der Sehnsucht und Garanten einer robusten Dreierbeziehung - Oder: Und irgendwann schaut es überall so aus wie am Erzberg


Pro: Mein Herz ist eine Schottergrube
Von Josef Kirchengast

Mein Gott, wär das schön: mit dem Rasenmäher einfach über die Kante fahren, ohne alle paar Meter stehen bleiben und so einen Mugl wegschieben zu müssen. Ist aber nicht. Denn die Meinige ist eine Steinige. Sie liebt diese stoischen Trümmer und schreibt ihnen eine mystische Kraft zu. Und da ich meinerseits eine gewisse Zuneigung zu ihr nicht verhehlen kann und will, musste ich aus meinem Herzen eine Schottergrube machen.

Schwer war's ja nicht, abgesehen vom Gewicht besagter Objekte. Denn deren Heimat ist Gegenstand einer weiteren Liebesbeziehung: ein Strand auf einer kroatischen Insel. Ein Vierteljahrhundert währt diese Liaison nun schon. Dass sie sich nicht abgenützt hat, muss auch an ihren steinernen Zeugen liegen.

Die hemmen nicht nur den Vorwärtsdrang des Rasenmähers, sondern stehen auch auf diversen Schreibtischen und sonst wo herum. Stumme Monumente der Sehnsucht - und Garanten einer robusten Dreierbeziehung. Denn Grund zur Eifersucht können sie der steinigen Meinigen nicht geben.

Kontra: Haltet ein, Landräuber!
Von Gianluca Wallisch

Inselidylle auf Elba vor wenigen Wochen, irgendwann Ende Juni. Auf der abendlichen Suche nach dem nächsten weltbesten Fischrestaurant in Marciana Marina sticht ein Schild ins Auge, das am Strand in den Boden gerammt ist. "Es ist strengstens verboten, Steine vom Strand mitzunehmen", steht da in Italienisch und korrektem (sic!) Deutsch, und man verweist grimmig auf Artikel 1164 der Gemeindeverordnung 40/2004.

Tatsächlich? Landräuber auf Elba? Deutschsprachige gar? Offenbar wussten sich die armen Insulaner nicht mehr anders zu helfen, als mit der vollen Wucht der Gesetzesfaust herabzudonnern, um Grund und Boden zu verteidigen vor Menschen wie dem sonst äußerst liebenswürdigen Herrn Kollegen Kirchengast, der hier nebenan schreibt und mir schräg gegenüber sitzt; der sich nichts Böses dabei denkt, wenn er "ein paar Steinderln" mitgehen lässt.

Und irgendwann schaut es überall so aus wie am Erzberg, dieser schiachen Landschaftsruine. Andererseits ... dieser marmorne Strandschotter hier ist wirklich sehr schön ... (Rondo, DER STANDARD, 19.7.2013)

  • "Es ist strengstens verboten, Steine vom Strand mitzunehmen."
    foto: andrea maria dusl

    "Es ist strengstens verboten, Steine vom Strand mitzunehmen."

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