Ode an Osama nicht erlaubt

16. Juli 2013, 18:41
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Bei den Paragrafen 281 und 282 ist laut heimischem Strafgesetzbuch Schluss, auch in Songtexten: Wer eine strafbare Handlung gutheißt, tritt ins Kriminal

Wie weit Musiker ihre künstlerischen Freiheiten ausreizen dürfen, regelt in Österreich auch das Strafgesetzbuch. Generell ist bei den Paragrafen 281 ("Aufforderung zu Ungehorsam gegen Gesetze") und 282 ("Gutheißung einer mit Strafe bedrohten Handlung") Schluss. Letzteres kann sich auch auf die Verherrlichung von illegalen Suchtmitteln beziehen.

Für "Cocaine", seinen Welthit aus dem Jahr 1976, könnte J. J. Cale streng genommen sogar hinter Gittern landen - wenn ihm ein Richter den Text als Gutheißung verbotener Drogen auslegt. Vielleicht singt Cales Kumpel Eric Clapton deswegen ja, wenn er den Hit heute zum Besten gibt, oft von "dirty cocaine". Auch Wolfgang Ambros könnte sich mit "Du schwarzer Afghane", in dem er vom "grasgrünen Grasl mit dein' g'sunden Duft" schwärmt, durchaus Ärger einhandeln.

Wichtig ist, ob eine problematische Äußerung "einer breiten Öffentlichkeit zugänglich" gemacht wird. Was bei einem veröffentlichten Album oder einem Konzert vor 10.000 Menschen der Fall ist. Madonna etwa fragt bei Konzerten gern, wie viele Leute im Publikum "Molly" gesehen haben - und meint damit, wer alles Ecstasy eingeworfen hat. Strafrechtlich ist das zwar noch lange nicht relevant, aber auf Twitter musste Madonna deswegen einen Shitstorm über sich ergehen lassen.

Die wohl häufigsten Anzeigen in der Musikbranche gibt es hierzulande im Zusammenhang mit dem NS-Verbotsgesetz und mit Verhetzung. Detaillierte Zahlen gibt es allerdings nicht, weil die Statistik keine Auskunft darüber gibt, ob ein Rapper, eine Band oder Hooligans über die braunen Stränge schlagen.

Seit dem Vorjahr ist in Österreich auch extra die Gutheißung terroristischer Straftaten unter Strafe gestellt. Eine wohlwollende Ode an Osama Bin Laden könnte bis zu zwei Jahre Gefängnis einbringen.   (Michael Simoner, DER STANDARD, 17.7.2013)

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    Madonna erkundet gern den Drogenkonsum des Publikums.

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