Illegale Praktiken an Wall Street Teil des Business

16. Juli 2013, 17:45
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Mehr als die Hälfte von in New York befragten Finanzleuten rechnet mit unethischem oder gar illegalem Verhalten der Konkurrenz

New York - Eine Umfrage bestätigt so ziemlich alle negativen Klischees über die Wall Street. Die Anwaltskanzlei Labaton Sucharow ließ 250 Personen der Fi- nanzbranche befragen, darunter Investmentbanker, Hedgefonds-Manager und Broker. Trotz der diversen Reformen seit Ausbruch der Finanzkrise im Herbst 2008 glauben nur 36 Prozent der Befragten, dass sich die Wall Street zum Besseren bewegt hat.

Tiefe Einblicke gewährt die Frage nach den ethischen Standards des Mitbewerbs: 52 Prozent der Finanzmanager geben an, es sei wahrscheinlich, dass ihre Konkurrenten unethische oder gar illegale Praktiken ergreifen, um die Nase vorn zu haben. Immerhin ein knappes Viertel meint, dass auch im eigenen Unternehmen Fehlverhalten den Aufstieg von Mitarbeitern beflügelte. Ebenso viele wollen diesbezüglich konkrete Fälle aus eigener Erfahrung kennen. In dieses Bild passt, dass 29 Prozent der Befragten angeben, dass der Erfolg an illegales Verhalten geknüpft ist.

Junge neigen eher zu illegalen Praktiken

Im Lichte zahlreicher Vorfälle, bei denen Anleger geprellt wurden, erscheint nicht ganz überraschend, dass 28 Prozent der Finanzmanager die Interessen der Kunden nicht an erste Stelle gereiht erachten. Knapp ein Fünftel würde bei Insiderhandel mitspielen, wenn damit zehn Millionen Doller zu machen sind und man ohne Sanktionen davonkommt. Für die Auftraggeber der Umfrage überraschend kam als Ergebnis heraus, dass jüngere Finanzgurus mehr zu illegalen Praktiken neigen als erfahrenere Kollegen.

Unter Ersteren kennen 38 Prozent keine Hemmschwelle zu Insiderhandel. "Viele Finanzmanager scheinen ihren moralischen Kompass verloren zu haben", kommentiert Jordan Thomas von der Kanzlei Labaton Sucharow die Untersuchung. Der frühere Top-Beamte der US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC steht auch einer Whistleblower-Plattform vor. (as, DER STANDARD, 17.7.2013)

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    Gordon Gekko gibt es zwar nur im Kino, einige seiner Charakterzüge scheinen aber an der Wall Street alles andere als unrealistisch zu sein. Unethische Standards und illegales Verhalten gehören für die Hälfte der Befragten zum Alltag.

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