Lehrer auf einer viele Meilen langen Zielgeraden

16. Juli 2013, 18:26
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Gewerkschaft und Regierung haben immer noch unterschiedliche Ansichten zum neuen Dienstrecht

Wien - Was eigentlich ist genau weitergegangen bei der 31. Verhandlungsrunde zum neuen Lehrerdienstrecht? Fest steht nur, dass die Teilnehmer nach über vier Stunden am späten Montagabend voller Zuversicht auseinandergegangen sind.

Offensichtlich ist auch, dass sie sehr unterschiedliche Erinnerungen an die Verhandlungen haben. Die Vertreterinnen der Bundesregierung - Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP), Beamtenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Unterrichtsministerin Claudia Schmied (beide SPÖ) - haben ihre Zuversicht bis in den Dienstag bewahrt. Die ÖVP reklamierte am Dienstag schon einen Erfolg für sich: "Wir haben den Karren wieder flottgemacht."

Die SPÖ war ähnlich zufrieden: Schmied und Heinisch-Hosek sprachen am Dienstagmorgen von einem "Fast-schon-Durchbruch" und meinten, die Gespräche seien in der Zielgeraden. Aber diese Gerade dürfte ziemlich lang sein, wenn man den Gewerkschaftern zuhört. Chef-Verhandler Paul Kimberger meinte, er müsse "auf die Euphoriebremse steigen": Es habe substanzielle Fortschritte gegeben, aber es müssten "noch einige große Brocken gelöst" werden: "Geld und Arbeitszeit sind noch nicht außer Streit gestellt."

Gewerkschafter Rainer bremst

Jürgen Rainer (wie Kimberger von der konservativen FCG) ist Vertreter der Lehrer an berufsbildenden mittleren und höheren Schulen - und bremst ebenso: Er sieht die Verhandlungen zwar auf einem guten Weg, aber: "Den Eindruck, dass wir quasi auf der Zielgeraden sind, kann ich nicht bestätigen."

Die Regierung hat jedenfalls einen weiteren Fahrplan vorgelegt: Nächsten Dienstagnachmittag soll ein weiterer Verhandlungstermin der Ministerinnen mit der Gewerkschaft stattfinden. Dann soll der Gesetzesentwurf adaptiert und eine sozialpartnerschaftliche Einigung erreicht werden. Noch für den Sommer ist die Begutachtung geplant, laut Fekter soll das Konvolut dann in einer der ersten Nationalratssitzungen im Herbst beschlossen werden.

2420 Euro Einstiegsgehalt

Der mittlerweile dreimal nachgebesserte Regierungsvorschlag sieht ein einheitliches Gehaltsschema mit einem Einstiegsgehalt von 2420 Euro vor. Nach einer flacheren Gehaltskurve sollen am Ende alle 4330 Euro verdienen. Die Grafik links zeigt, dass es derzeit 4500 beziehungsweise 5140 Euro sind. Für dieses Gehalt sollen Lehrer künftig 24 statt derzeit 20 bis 22 Stunden unterrichten - allerdings sollen sich Klassenvorstände (und damit praktisch alle Volksschullehrer) sowie Mentoren eine Stunde sparen und auch Betreuungs- und Beratungsstunden als Abschlagsstunden gelten, bleiben mindestens 22 Stunden klassischer Unterricht. Außerdem sollen Lehrer in betreuungsintensiven Fächern Zulagen erhalten, statt wie derzeit weniger in der Klasse zu stehen.

Die Lehrervertreter kritisieren, dass im künftigen Gehaltsschema nicht abgebildet sei, dass künftig alle Lehrer verpflichtend ein Masterstudium absolvieren müssen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 17.7.2013)

  • Derzeit verdienen Lehrer am Ende ihrer Karriere 4500 beziehungsweise 5140 Euro, künftig sollen alle 4330 Euro verdienen.
    grafik: der standard

    Derzeit verdienen Lehrer am Ende ihrer Karriere 4500 beziehungsweise 5140 Euro, künftig sollen alle 4330 Euro verdienen.

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