Hundstorfer: "Wir brauchen die Oldies"

16. Juli 2013, 18:26
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Die SPÖ setzt im Wahlkampf auf Dialog mit dem Wähler. Sozialminister Rudolf Hundstorfer referierte in der Salzburger Eisenbahnerstadt Bischofshofen

Salzburg - Wenn in der Urlaubszeit an einem lauen Sommerabend rund 150 Leute zu einer Parteiveranstaltung kommen, ist das für erfahrene Wahlkämpfer wie den Salzburger SPÖ-Landesparteigeschäftsführer Uwe Höfferer "ein gutes Zeichen". Montagabend waren die Organisatoren des SPÖ-Bürgerdialogs zum Thema "Generationskonflikt Pensionen?" mit Sozialminister Rudolf Hundstorfer im Pongauer Bischofshofen vom Andrang sichtlich überrascht. Eilig mussten zusätzliche Sessel und Stehtische in den Veranstaltungssaal des Gasthofes Alte Post gebracht werden.

Für Hundstorfer ist ein Auftritt in "B'hofen", wie die Eisenbahnerstadt gemeinhin genannt wird, fast ein Heimspiel. Der ehemalige ÖGB-Chef ist seit Jahren Stammgast beim Dreikönigsspringen, dem traditionellen Finale der Vierschanzentournee. "2014 komme ich wieder", verspricht er. "Egal in welcher Funktion."

Wähler-Wünsche

Vorher gilt es aber noch eine Nationalratswahl zu schlagen. Und da hat die SPÖ plötzlich die Bürgernähe entdeckt. Landauf, landab werden sogenannte Bürgerdialoge abgehalten. Dabei sollen die Wähler nicht nur zuhören, sondern selbst ihre Wünsche deponieren. Gesammelt werden die "Vorschläge für Österreich" auf roten Postkarten.Wer Namen und Adresse angibt, wird dann auch zu einem sogenannten "Bürgerkonvent" am 2. August nach Wien eingeladen. Man will Bürgernähe demonstrieren: Zehn "Bürgerforderungen" werden dann als Teil des Wahlprogrammes beschlossen.

Dem Gewerkschafter Hundstorfer braucht man die Bürgernähe freilich nicht erst beizubringen. Im mehrheitlich mit roter Stammkundschaft besetzten Wirtshaussaal der Alten Post ist er in seinem Element. Wie ein Volksbildner erklärt er dem Wahlvolk die Welt.

Darunter auch Botschaften, die Einzelne gar nicht so gerne hören. Etwa, warum die Leute später in Pension gehen sollen. Neben der Finanzierung - die Erhöhung des durchschnittlichen Pensionseintrittsalters um ein Jahr bringe laut Hundstorfer jährlich immerhin 1,3 Milliarden Euro - gehe es auch um demografische Notwendigkeiten. Aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge werden schon 2015 etwa 10.000 Jugendliche im Alter von 15 Jahren fehlen, rechnet der Sozialminister vor. "Die Kids fehlen uns, wir brauchen die Oldies", sagt Hundstorfer mit Blick auf den Arbeitsmarkt.

Und dann geht es aber doch wieder ums Geld: "Obwohl sich viele mit Messer, Gabel und manche auch mit Alkohol wehren", die Menschen würden einfach älter. 1970 seien einem Mann, der mit 65 in Pension ging, durchschnittlich noch acht Lebensjahre geblieben. 2012 blieben einem Mann, der mit 62 in Pension geht, durchschnittlich 17 Jahre. Und das geht eben ins Geld.

Alpine- und Dayli-Pleite

Ebenfalls ins Geld gehen die diversen Großinsolvenzen, berichtet Hundstorfer. Der Dayli-Konkurs belaste den Insolvenz-Entgeldfonds mit 33 Millionen, die Alpine-Pleite mit 100 Millionen Euro. Eine Beitragssenkung des aus Unternehmerbeiträgen gespeisten Fonds hält Hundstorfer schlicht für "unverantwortlich".

Die Pleite des Salzburger Baukonzerns Alpine ist auch Gelegenheit für die bei den Landtagswahlen am 5. Mai schwer geschlagene Landes-SPÖ wieder etwas Profil zu zeigen. Im Unterschied zur von der damaligen Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ins Leben gerufenen modellhaften Arbeitsstiftung nach der Schließung des Halleiner Papierwerkes von M-real "zeigt die schwarz-schwarz-schwarze Landesregierung auffallendes Desinteresse am Schicksal der Alpine-Mitarbeiter", kritisiert SP-Geschäftsführer Höfferer. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 17.7.2013)

  • Dem Gewerkschafter Rudolf Hundstorfer braucht man die Bürgernähe nicht erst beizubringen.
    foto: spö / johannes zinner

    Dem Gewerkschafter Rudolf Hundstorfer braucht man die Bürgernähe nicht erst beizubringen.

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