Obszöner Sommer

16. Juli 2013, 17:11
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Das rappende Großmaul entpuppte sich in der "ZiB 24" als veritabler Intellektueller

Manchmal findet sich auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Platz für Obszönitäten. Nehmen wir nur das Bio-Schweinderl von "Ja! Natürlich". Im neuen Werbespot der Produktlinie gibt die blonde Frau Lehrerin, ein gern gesehener Gast auf dem Bauernhof, sich völlig ungehemmt dem Genuss von Paradeisern und Karotten hin.

"Wo, a Göbe!", entfährt es der Pädagogin. Schon wieder hat sie kräftig zugebissen. "Pfo", ächzt die Dame, sie kriegt den Mund nicht voll, der Saft läuft ihr das Kinn hinunter. Dem biederen Landmann wird es unheimlich zumute. Einzig das herzige Schweinderl traut sich, die beklemmende Szene richtig zu deuten: Der Bauer sei so rot wie eines seiner Gewächse. Jetzt müsse das Frauenzimmer nur noch anbeißen.

Mit Obszönitäten ganz anderer Art hatte Lisa Gadenstätter in der letzten Ausgabe der "ZiB 24" zu kämpfen. Der Rüpelrapper Bushido war aus dem Berliner ORF-Studio zugeschaltet, und er wünschte erst einmal einen "wunderschönen Abend".

Mag es an Gadenstätters Interviewführung gelegen haben - das rappende Großmaul entpuppte sich als veritabler Intellektueller. Der Gossenpoet sprach wie ein emeritierter Dozent der deutschen Philologie. Er habe in seinen mordlustigen Versen ganz bestimmt "keinen schlechten Geschmack an den Tag gelegt". Wer seine Lyrics für unangebracht halte, lebe "hinterm Mond". Ob er Steuern hinterzogen habe? Bushido: "Dann werden Sie's in der 'Bild'-Zeitung lesen!" Überhaupt sei er mit der Entwicklung der Dinge "extrem zufrieden".

Chapeau für Gadenstätter: Sie hielt dagegen. Sein Abschiedsgruß: "Nicht so verbissen das nächste Mal!" (Ronald Pohl, DER STANDARD, 17.7.2013)

  • "ZiB 24" mit Bushido und Lisa Gadenstätter zum Nachsehen: tvthek.orf.at
    foto: tvthek.orf.at

    "ZiB 24" mit Bushido und Lisa Gadenstätter zum Nachsehen: tvthek.orf.at

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