Hohes Risiko für tödliche Masern-Spätfolgen

16. Juli 2013, 15:30
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Sklerosierende Panenzephalitis verläuft immer tödlich - Kinder im ersten Lebensjahr sind besonders gefährdet

Das Risiko von tödlichen Spätfolgen einer Maserninfektion ist höher als bisher angenommen. Das haben Forscher der Universität Würzburg und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) herausgefunden, wie die Universität am Dienstag mitteilte. Noch Jahre nach einer überstandenen Masernerkrankung kann es zu einer Entzündung des Gehirns kommen. Diese sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) verläuft immer tödlich.

Galt bisher die Annahme, dass diese Spätfolge in einem von 100.000 Fällen auftritt, berechneten die Forscher das Durchschnittsrisiko für Kinder unter fünf Jahren nun auf einen Wert von 1:3.300. SSPE führt zu einem schleichenden Verlust aller geistigen Fähigkeiten und endet im Wachkoma, in dem die Betroffenen nach wenigen Monaten oder auch Jahren sterben. Eine Behandlung der Spätkomplikation ist nicht möglich.

Risiko für Kinder unter einem Jahr

In Deutschland wurden demnach zwischen 2003 und 2009 insgesamt 31 SSPE-Fälle erfasst. Alle Kinder waren zum Zeitpunkt der Maserninfektion jünger als fünf Jahre. Im selben Zeitraum wurden insgesamt 42.600 Maserninfektionen gemeldet. Dadurch ergab sich ein Risiko für Spätfolgen in einem von 3.300 Fällen. Allerdings liege das Risiko für Kinder im ersten Lebensjahr wahrscheinlich noch deutlich höher, erklärten die Forscher, deren Studie in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlicht wurde.

Zwar schützt eine Masern-Impfung vor SSPE. Sie ist aber erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat möglich. Kinder im ersten Lebensjahr, für die das SSPE-Risiko am höchsten ist, können daher nicht durch eine Impfung geschützt werden, warnte Benedikt Weißbrich von der Universität Würzburg. Eltern sollten daher ihre Kinder dringend impfen lassen. Nur wenn viele Menschen gegen Masern immun sind, könne die Krankheit ausgerottet werden. (APA/red, 16.7.2013)

  • Das typische Krankheitsbild von Masern ist großflächiger Hautausschlag. Die Impfung ist erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat möglich.
    foto: apa/ingomar mutz

    Das typische Krankheitsbild von Masern ist großflächiger Hautausschlag. Die Impfung ist erst ab dem vollendeten elften Lebensmonat möglich.

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