Naturgewalten-Studie: Kaum (Vor-)Sorge in Österreich

16. Juli 2013, 18:31
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Ein geringes Gefahrenbewusstsein haben Österreicher laut einer Befragung, wenn es um die Bedrohung durch Naturgewalten geht. Sie sehen vor allem die Behörden gefordert. Die Versicherungen beziffern den Schaden durch die Flut im Juni mit 250 Millionen Euro.

Wien - Fünf Prozent der Österreicher gaben bei einer Umfrage Ende Mai an, in den nächsten zwölf Monaten Maßnahmen zum Schutz vor Naturkatastrophen treffen zu wollen. Wenige Tage später kam es im Land zur hundertjährlichen Flut 2013. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag waren sich Vertreter von Versicherungen, Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) und Umweltministerium einig: Das Gefahrenbewusstsein der Österreicher bezüglich der Gefährdung durch die Naturgewalten - ob Unwetter, Überschwemmungen, Erdbeben, Stürme oder Blitzschlag - ist zu gering.

1500 Personen befragt

Die KFV-Befragung von 1500 Personen vergangenen Mai ergab, dass 63 Prozent der Österreicher es für eher unwahrscheinlich halten, dass ihr Wohnort von einer Naturkatastrophe getroffen wird. Allein durch Hochwasser sind laut Heinz Stiefelmeyer, Leiter der Abteilung Bundeswasserbauverwaltung im Lebensministerium, rund 200.000 Gebäude in Österreich gefährdet. Diese Zahl entspricht nach Daten der Statistik Austria rund zehn Prozent aller Gebäude im Land.

Selbst von jenen Befragten, die in einer Hochwasserrisikozone leben, gehe gut ein Viertel davon aus, nicht gefährdet zu sein, führte KFV-Direktor Othmar Thann aus. Und rund die Hälfte derer, die in einer Erdbebengefährdungszone der Stufe acht (schwer) leben, schätzt sich als nicht gefährdet ein. Insgesamt fühlen sich 93 Prozent nur gering oder gar nicht persönlich durch Naturkatastrophen bedroht.

Sparen am falschen Ort

Eine der Folgen laut Thann: Häuser würden nicht mehr so sicher gebaut. "Vielleicht achtet man jetzt mehr auf Design als auf Zweckmäßigkeit. Und man spart am falschen Ort", meint Thann. So würde eine leichtere Bauweise bevorzugt und zum Beispiel Flachdächer, auf denen die Schneelast ein schwerwiegendes Problem werden kann, auch in alpinen Lagen errichtet.

"Es gäbe ganz einfache Maßnahmen, um Schäden zu verhindern", sagt Thann - beispielsweise eine höhere Unterkante bei Kellerfenstern oder den Einbau von Rückstauklappen. Doch die KFV-Studie zeigt auch: Die Prävention von Naturkatastrophen ist für 44 Prozent der Befragten eine Aufgabe der Behörden. Allerdings wurde nicht abgefragt, wie viele Personen schon einmal im Namen des Katastrophenschutzes etwas baulich verändert haben.

Flut 2002 war teurer

Die den Versicherungen durch das Hochwasser von Anfang Juni entstandene Schadenssumme steht inzwischen fest: Sie beträgt rund 250 Millionen Euro und ist damit deutlich geringer, als erste Schätzungen waren und als es 2002 war (420 Mio.). Das teilte der Vizepräsident des Verbands der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO), Othmar Ederer, mit, "die Schutzmaßnahmen von 2002 haben wohl gegriffen". Man gehe davon aus, dass solche Katastrophen gehäufter auftreten. Der volkswirtschaftliche Schaden lasse sich noch nicht beziffern.

Eingeschränkte Versicherungsmöglichketien

Derzeit laufen Gespräche zwischen Versicherern und Ministerien über künftige Möglichkeiten für Versicherungen gegen Katastrophen wie Hochwasser. Aktuell gibt es dafür, anders als etwa gegen Sturm oder Hagel, nur eingeschränkte Möglichkeiten. Eine verpflichtende flächendeckende Versicherung sei nach marktwirtschaftlichen Kriterien nicht machbar, da brauche es eine große Solidargemeinschaft, erläuterte Ederer.

Stiefelmeyer sagt, man sei vonseiten des Lebensministeriums an einem Versicherungsmodell sehr interessiert, da dies auch mehr das Gefahrenbewusstsein schärfe, als das derzeit durch den Hochwasserfonds der Fall sei.

Wer wissen will, in welcher Gefahrenzone er sich befindet, kann das auf der Seite www.hora.gv.at des Lebensministeriums herausfinden. Darauf sind Gefahren durch verschiedene Naturgewalten erfasst. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 17.7.2013)

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    Aufräumarbeiten in Taxenbach (Salzburg) nach der Flut im Juni. Nur selten deckt solche Schadensfälle eine Versicherung.

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