Tödliches Virus dezimiert Waschbären in Berlin

16. Juli 2013, 17:08
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Für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich - Für ungeimpfte Hunde kann die Infektion hingegen tödlich enden

Die Berliner Waschbären sind für ihre nächtlichen Randale berüchtigt: Kreative Umbauarbeiten im Garten, aufgerissene Müllsäcke und geplünderte Obsternten gehören zu ihren Spezialitäten. Dennoch ist der freche Kleinbär in der deutschen Hauptstadt schon Kult. Ein Waschbär in einem Parkhaus am Alexanderplatz zog in den vergangenen Jahren internationale Medienberichte nach sich. Doch in den vergangenen Monaten wurde der Bestand von mindestens 600 Tieren stark dezimiert: Wegen einer Staupe-Epidemie sind allein im ersten Halbjahr mindestens 120 Tiere in Berlin verendet.

Die lange Kälteperiode schwächte heuer die Waschbären, die Winterruhe halten und mehr als sonst ihre Reserven angreifen mussten. "Todesvirus rottet unsere Waschbären aus", titelte der "Berliner Kurier" in diesem Zusammenhang. Nicht unbegründet, denn laut Experten sind vier von fünf Tieren von dem Virus befallen, das auch Hunde, Marder, Robben und Stinktiere treffen kann. Bilden sich in den ersten neun Tagen genügend Antikörper, treten meist nicht einmal Symptome auf. Passiert das nicht, werden Verdauungs- und Nervensystem sowie Atmungsapparat befallen.

Kranke Tiere sind vor allem in den westlichen Bezirken Spandau, Reinickendorf und Pankow aufgefallen. Typisch sind ein schlechtes Fell, Abmagerung, eingefallene Augen, blasse Schleimhäute, Fieber und Gleichgewichtsstörungen. Für den Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich, sehr wohl jedoch für ungeimpfte Hunde. Vor allem Jungtiere bis zu sechs Monaten und ältere Hunde haben ein erhöhtes Risiko.

Kein Gewinner des NS-Regimes

Waschbären gibt es in Deutschland erst seit 1934. Damals seien einige Tiere am nordhessischen Edersee für die Jagd ausgesetzt worden. Immer wieder wurde kolportiert, dass der begeisterte Jäger Hermann Göring selbst die Auswilderung der räuberischen Säugetiere vorantrieb. Deshalb bekamen die europäischen Waschbären von der internationalen Presse den wenig schmeichelhaften Spitznamen "Nazi-Racoon" verpasst.

Falsch, sagen nun Wissenschaftler. Vielmehr hätten Pelzhändler die Idee gehabt, die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere in die mitteleuropäische Fauna zu holen. Der brillante Jäger und schlaue Überlebenskünstler konnte seinen Bestand jedoch bald vermehren: Inzwischen schätzen Experten, dass in Deutschland 500.000 Exemplare unterwegs sind.

Natürliche Feinde hat der Allesfresser kaum noch, Gefahr droht ihm vor allem vom Menschen. Die Jäger im Bundesland Brandenburg schossen in der Saison 2011/12 14.495 Waschbären - 23 Prozent mehr als im Vorjahr. (jus, derStandard.at, 17.7.2013)

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    Dem Berliner Waschbären geht es an den Krager: Ein Staupe-Virus dezimierte ihre Zahl seit Anfang des Jahres stark.

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