Industrie baut Arbeitsplätze ab

16. Juli 2013, 18:44
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Beharren auf Kürzung des Insolvenzentgeltfonds

Wien - Große Pleiten wie Alpine und Dayli drehen den Insolvenzentgeltfonds, der die Gehälter der betroffenen Beschäftigten bezahlt, heuer ins Minus. Industrievertreter beharren dennoch darauf, dass die Beiträge der Arbeitgeber dafür künftig gesenkt werden. "Wir wollen einen Kassasturz und eine exakte Kalkulation, wie viel Geld es dafür wirklich braucht", sagt Manfred Engelmann, Geschäftsführer der Sparte Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich.

Dass der Fonds schon jetzt über Kredite finanziert werden muss, lässt er nicht gelten. Dieser sei lange Zeit im Plus gewesen. Und bei der Alpine werde der Löwenanteil der Mitarbeiter eine neue Beschäftigung finden. Man wolle den Insolvenzentgeltfonds ja nicht ausräumen, ergänzt Sigi Menz, neuer Obmann der Industriesparte, der von einer teils "zweckentfremdeten Verwendung" seiner Geldmittel spricht, wie etwa der Förderung der Lehrlingsausbildung.

Die Nachwirkungen der Alpine-Pleite für die Bauindustrie ließen sich noch nicht absehen, sagt Engelmann. Es gebe aber noch keine unmittelbaren Folgeinsolvenzen. Einige Betriebe aus der Baustoff- und Zulieferindustrie werde es sicher hart treffen, vor allem kleine Gewerbefirmen. Der Großteil der Subunternehmen jedoch habe zuletzt nur gegen Bares geliefert.

Mittlerweile ist die dritte lukrative Tochter der Alpine verkauft: Die Universale geht an die Bahnbau Wels GmbH, die in Hand der Familie Rhomberg ist, gut hundert Mitarbeiter zählt und 22 Millionen Euro umsetzt. Die Universale erzielte mit 150 Mitarbeitern zuletzt 25 Millionen Euro Umsatz.

So optimistisch Engelmann ob des Ausbleibens einer Pleitewelle ist, so düster malt er einmal mehr die nahe Zukunft für die Geschicke der Industrie: Keine einzige Branche seiner Sparte sehe heuer mehr Auftragseingang. Ein Drittel gehe von Jobabbau aus. In den vergangenen Jahren war die Beschäftigung stets leicht gewachsen.

Exporte lassen aus

Exporte sorgen für bis zu 80 Prozent des Geschäfts der österreichischen Industrie. Sie schmolzen im ersten Quartal nominell um 0,7 Prozent auf 30,5 Milliarden Euro. Vor allem Europa ließ stark aus - Zuwächse in Asien und Nordamerika konnten diese Einbußen nicht mehr wettmachen. Auch die Inlandsnachfrage ließ nach.

Die Zahl der in der Industrie Beschäftigten nahm um 5200 Arbeitnehmer ab, ein Minus von 0,9 Prozent. Rückgänge bei Leiharbeitern mit eingerechnet, summiert sich das Minus auf 1,2 Prozent.

"Schon 2012 war ein schwaches Jahr. Die Erwartungen für heuer sind leicht, aber doch rückläufig", resümiert Engelmann.

Menz zitiert aus der bekannten Liste der langjährigen Forderungen der Branche. Da geht es zum einen um niedrigere Lohnnebenkosten, zum anderen um flexiblere Arbeitszeiten. Das aktuelle System sei zu rigide, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen, klagt Menz. Außerdem gehöre das Reformniveau in der Bildung stark erhöht. "Aber die Politiker sagen das eine und tun das andere." (vk, DER STANDARD, 17.7.2013)

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