Attraktive Bonobo-Weibchen gewinnen häufiger Konflikte mit Männchen

18. Juli 2013, 13:09
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Bei Zwergschimpansen nehmen oft Weibchen die höchsten Ränge ein - Ursache dafür liegt oft in deren sexueller Bereitschaft

Bei Säugetieren ist weibliche Dominanz über Männchen ein vergleichsweise seltenes Phänomen. Eine Ausnahme bilden hier Bonobos (Pan paniscus). Zwar sind auch bei dieser Menschenaffen-Spezies ausgewachsene Männchen meist größer und stärker. Dennoch nehmen Weibchen im Sozialgefüge oft hohe Stellungen ein. Deutsche Forscher haben konnten nun entschlüsseln, wie dies zustande kommt: Es sind nicht die weiblichen Allianzen, mit denen Weibchen Konflikte gewinnen können. Auch scheint der Kontext des Konflikts für dessen Ausgang irrelevant zu sein. Stattdessen spielt die Attraktivität der Weibchen die ausschlaggebende Rolle. Wenn diese eine sexuelle Bereitschaft zeigen, gewinnen sie Konflikte mit Männchen leichter. Die Männchen verhalten sich dann weniger aggressiv.

Obwohl die Dominanzverhältnisse zwischen den Geschlechtern bei Bonobos noch nie eingehend in der Wildnis untersucht wurden, gibt es verschiedene Theorien, wie die Weibchen zu ihrem hohen Sozialstatus kommen. Einige Forscher erklären die weibliche Vormachtstellung durch Koalitionsbildung zwischen den Weibchen, welche die männliche Aggressivität unterdrücken. Andere sehen darin ein entwicklungsgeschichtliches Phänomen, nach dem Weibchen nicht-aggressive Männer bevorzugen und so die biologischen Vorteile männlicher Aggression zu einem Negativmerkmal geworden sind.

In der aktuellen Studie untersuchte die Bonobo-Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie zwischengeschlechtliche Konflikte in einer wildlebenden Bonobo-Gruppe nahe des Salonga Nationalparks in der Demokratischen Republik Kongo. Anhand einer Analyse des Ausgangs dieser Streitereien wiesen die Wissenschafter die Existenz einer geschlechtsunabhängigen Hierarchie in der Gruppe nach, in der einige Weibchen die höchsten Ränge einnehmen.

Siegreich dank höherer Empfängnisbereitschaft

Desweitern fanden die Forscher heraus, dass nur zwei Faktoren eine signifikante Rolle beim Ausgang von Konflikten spielten: der Wille der Weibchen, ihrem Nachwuchs zu helfen, und die weibliche Attraktivität. So gewannen die Weibchen, allein oder in einer Gruppe, alle Konflikte, bei denen ihre Jungen von Männchen angegriffen wurden. Interessanterweise gewannen die Weibchen aber auch vermehrt Auseinandersetzungen, wenn sie eine auf höhere Empfängnisbereitschaft hinweisende sexuelle Schwellung zeigten, also für die Männchen besonders attraktiv waren.

Martin Surbeck, Erstautor der Publikation, sagt: "Die Männchen waren zu diesen Zeiten auch von sich aus weniger aggressiv gegenüber den Weibchen, was sie sehr deutlich zum Beispiel von Schimpansenmännchen unterscheidet." Zusammengefasst deuten diese Resultate darauf hin, dass sowohl weibliche Attraktivität, als auch männliche Paarungsstrategien bei Bonobos zu einer Veränderung der Dominanzverhältnisse zwischen den Geschlechtern beitragen. (red, derstandard.at, 20.07.2013)

  • Der Bonobo-Weibchen Susi lässt sich im Salonga Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo vom Männchen Jack das Fell pflegen. Eine aktuelle Untersuchung zeigte, dass sexwillige Bonobo-Weibchen oft Konflikte mit Männchen gewinnen.
    foto: caroline deimel, luikotale bonobo project

    Der Bonobo-Weibchen Susi lässt sich im Salonga Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo vom Männchen Jack das Fell pflegen. Eine aktuelle Untersuchung zeigte, dass sexwillige Bonobo-Weibchen oft Konflikte mit Männchen gewinnen.

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