PS4-Architekt: Der teure Unterschied zwischen Film und Spiel ist der Mensch

16. Juli 2013, 12:48
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Cerny: Spieltechnologie hat lange gebraucht, um Emotionen wiedergeben zu können

Mark Cerny, Architekt der PlayStation 4 (PS4), glaubt zwar nicht, dass Videospiele sobald an die Realität herankommen werden, hofft aber, dass Entwickler durch den technischen Fortschritt immer öfter die Möglichkeiten des emotionalen Ausdrucks zu erforschen. "Wir erreichen mit der PS4 einen Punkt, an dem wir manches Mal vergessen werden, dass wir computerberechnete Bilder und nicht Filmaufnahmen sehen", sagt Cerny im Rahmen der Develop In Brighton 2013-Konferenz gegenüber Edge. Das werde zwar nicht immer gelingen, doch sei es ein wichtiger Schritt, um Spiele glaubhafter und vereinnahmender zu machen. Wo früher in Zwischensequenzen noch Filme mit echten Schauspielern liefen, werde dies heute und in Zukunft nicht mehr benötigt.

Lange hat es gedauert

Cerny erinnert sich an die 1990er-Jahre, in denen Electronic Arts mit echten Filmszenen in "Road Rash" die Erzähltechniken in Videospielen vorantrieb. Damals dachte man, dass dies die Zukunft sei. Im Endeffekt sollte es aber noch zwei Jahrzehnte länger dauern, bis Spiele zumindest vereinzelt das narrative Niveau von Filmen erreichen. Der Grund dafür ist laut dem Entwickler die menschliche Komponente. "Wenn man Spiele und Filme betrachtet, hat man bei Filmen - egal wie billig die Produktion ist - Zugang zu Emotionen, weil man Zugang zum menschlichen Gesicht hat. Aber in Spielen ist dies der teuerste Aspekt - der menschliche Körper ist das teuerste Ding, das man in ein Spiel hereinnehmen kann", so Cerny. "Dadurch benötigt es dutzende Millionen Dollar, um das zu tun, was ein Film auf mehreren Ebenen für wenige hunderttausend Dollar schafft. Die Technologie benötigte viel Zeit, um zu dem Punkt zu gelangen, an dem wir auf narrativer Seite etwas wirklich Überzeugendes produzieren konnten."      

Hoffnung auf Vielfalt

Neben der technischen Weiterentwicklung für Emotionen und intensivere Erlebnisse glaubt Cerny mit der PS4 gleichzeitig eine vielfältigere Ausweitung des Mediums erreichen zu können. Da die vielfach kritisierten technologischen Hürden der PlayStation 3 mit der neuen Konsole überwunden wurden und zudem kleineren Studios der Vertrieb von Spielen erleichtert wurde, hofft Cerny auf einen kreativen Schub in der Branche. Entwickler könnten mit dem Wechsel auf die x86-Plattform Spielideen schneller umsetzen und dank Eigenvertreib auch rascher auf den Markt bringen. Die ersten Früchte dieses Umdenkprozesses wurden auf der vergangenen E3 präsentiert. (Zsolt Wilhelm, derStandard.at, 16.7.2013)

(Video: Quantic Dreams Echtzeit-Demo "The Dark Sorcerer" blickt in die Zukunft der PS4-Games)

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Edge

  • Szene aus der PS4-Demo "The Dark Sorcerer"
    foto: quantic dream

    Szene aus der PS4-Demo "The Dark Sorcerer"

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