Mariahilfer Straße neu: Lieferanten und Taxler dürfen in Fußgängerzone fahren

16. Juli 2013, 11:46
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Testlauf für die Umgestaltung startet am 16. August: Radfahrer dürfen außer der Busspur die gesamte Verkehrsfläche benützen - WKW-Chefin kritisiert Zeitdruck für betroffene Unternehmer

Wien - In genau einem Monat startet die mehrmonatige Probephase für die verkehrsberuhigte Mariahilfer Straße in Wien. Von den Änderungen an der und rund um die Einkaufsstraße sind auch Taxler und Lieferanten betroffen. Hier hat man sich nun offenbar auf eine Lösung geeinigt.

Die Einigung sieht vor, dass in der an sich autofreien Fußgängerzone Warenlieferungen bis 13 Uhr möglich sind. Taxis dürfen auf der Bustrasse fahren, um Fahrgäste abzuholen und aussteigen zu lassen. Die Durchfahrt ohne Halt ist verboten.

Zulieferung an Werktagen bis 13 Uhr

Die Fußgängerzone wird von der Kirchengasse bis zur Andreasgasse reichen. Dieser Bereich ist für den motorisierten Verkehr künftig tabu. Für den Lieferverkehr gibt es allerdings Ausnahmen: Die Warenzustellung ist an Werktagen von Montag bis Samstag zwischen 6 und 13 Uhr erlaubt, hieß es am Dienstag im Büro von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne).

In den Begegnungszonen zwischen Kaiserstraße und Andreasgasse sowie zwischen Kirchengasse und Getreidemarkt ändert sich an den jetzigen Lieferzeiten und Ladezonen nichts, sie sind nicht einheitlich geregelt.

Taxis mit Einschränkungen

Taxis dürfen in die Fußgängerzone lediglich ein-, jedoch nicht durchfahren und müssen die für den 13A rot eingefärbte Bustrasse benutzen. In dem kurzen Fuzo-Abschnitt zwischen Neubau- und Andreasgasse, in dem der Bus nicht verkehrt, ist die Zufahrtsmöglichkeit für Taxis zeitlich beschränkt.

Hier können - analog zum Lieferverkehr - nur von Montag bis Samstag zwischen 6 und 13 Uhr Fahrgäste abgeholt und hingebracht werden. In den Begegnungszonen dürfen Taxler wie alle anderen Verkehrsteilnehmer mit maximal 20 km/h fahren.

Radfahren "in angepasster Geschwindigkeit"

Das Radfahren wird auf der gesamten Mariahilfer Straße in beiden Richtung und "in angepasster Geschwindigkeit" möglich sein, hieß es. Eigene Radstreifen wird es nicht geben. Das bedeutet, dass die Radfahrer mit Ausnahme der roten Busspur die gesamte Verkehrsfläche benutzen dürfen.

Mit den Änderungen auf der Einkaufsstraße treten auch die begleitenden Verkehrsmaßnahmen in den umliegenden Straßen in Kraft. Sie sollen den drohenden Ausweichverkehr abfedern. Die Hauptdurchzugsrouten Gumpendorfer Straße, Neustiftgasse und Burggasse werden zu Tempo-30-Zonen. Zusätzlich werden Einbahnen und Abbiegemöglichkeiten in den Bezirken Mariahilf und Neubau geändert.

Infotafeln werden ab nächster Woche aufgestellt

Laut Vassilakous Büro werden ab kommender Woche an zentralen Stellen Infotafeln aufgestellt, um Autofahrer rechtzeitig auf die Neuerungen hinzuweisen. Kurz vor Beginn der Testphase gibt es dann noch eine kurzfristige Komplettsperre für den Autoverkehr. Diese ist von 14. August, 20 Uhr bis 16. August, 6 Uhr in Kraft. Das sei unter anderem wegen der Aufbringung der neuen Bodenmarkierungen nötig. Der 13A-Betrieb soll davon nicht beeinträchtigt werden.

Vorerst keine baulichen Änderungen

Am 16. August wird dann ab den frühen Morgenstunden getestet. Baulich ändert sich abgesehen von der roten Markierung allerdings vorerst nichts. Ob sie sich in der Begegnungszone oder in der Fuzo befinden, können Passanten nur anhand der montierten Schilder erkennen.

Die Testphase wird einige Monate dauern und laufend beobachtet und evaluiert. Wie lange genau der Probelauf dauern soll, ist noch unbekannt. Im Anschluss an die Testphase ist eine Bürgerbefragung vorgesehen, mit deren Hilfe die Neugestaltung dann in der Letztfassung beschlossen werden soll.

Lieferverkehrslösung kommt für WKW-Chefin zu spät

Die Wiener Wirtschaftskammer hat am Dienstag anlässlich der präsentierten Lieferverkehrslösung für die verkehrsberuhigte Mariahilfer Straße das Arbeitstempo der Stadt gegeißelt. Die Entscheidung komme zu spät, ärgerte sich Kammerpräsidentin Brigitte Jank in einer Aussendung. Denn nun hätten die rund 9.000 betroffene Betriebe nur mehr ein Monat Zeit, ihre Lieferkonzepte zu adaptieren bzw. zu ändern.

"Die Unternehmen müssen allein auf der Mariahilfer Straße mehrere hundert Zustellvorgänge pro Tag neu planen und in einem wesentlich verkürzten Zeitfenster unterbringen", so Jank. Durch geplante Verengungen der Straßenradien müssten viele Lieferanten nun auf kleinere Kfz umstellen: "Das bedeutet zusätzlichen Aufwand, höhere Kosten, längere Lieferzeiten und mehr Fahrten." Kritik übte Jank zudem an den ihrer Meinung nach fehlenden Evaluierungskriterien und an den wegfallenden Querungsmöglichkeiten. (APA/red, derStandard.at, 16.7.2013)

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    Anfang Mai hat bereits der erste Testlauf stattgefunden, Mitte August beginnt Phase zwei.

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