Deutschland: Eizelle bei künstlicher Befruchtung vertauscht

16. Juli 2013, 10:21
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Weder Mutter noch Vater sind die biologischen Eltern ihres inzwischen achtjährigen Kindes - Bundesverband spricht von Einzelfall

Jena - Die Verwechslung einer Eizelle wird rund acht Jahre nach einer künstlichen Befruchtung in Jena zum Fall für die Justiz. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete, wurde einer Mutter aus Hessen wohl die falsche befruchtete Eizelle eingesetzt. Weder der Vater noch die Mutter seien die biologischen Eltern des Kindes, das inzwischen im Volksschulalter ist.

Vorwurf der Erpressung

Weil die 38-Jährige den Fall jetzt in dem Bericht öffentlich machte, werfen die Anwälte des Instituts ihr Erpressung vor und sollen dies bei der Staatsanwaltschaft Gera angezeigt haben. Deren Sprecherin konnte dies am Montag "weder bestätigen noch dementieren". Möglicherweise sei die Anzeige noch unterwegs, fügte sie hinzu.

Der Fehler war bekannt geworden, nachdem sich das Paar dem Bericht zufolge getrennt und der Vater einen Vaterschaftstest veranlasst hatte. Das Kind war 2006 gesund zur Welt gekommen, hatte rötliche Haare und blasse Haut. Die Mutter und ihr Partner hatten hingegen beide dunkle Haare. Als das Kind fünf Jahre alt war, hatten die Eltern schließlich die Gewissheit, das keiner von beiden das biologische Elternteil des Kindes war.

Institut forderte Verschwiegenheit für Schadenersatz

Auf der Grundlage der genetischen Analyse forderte der Anwalt der Frau Schadenersatz von dem Institut. Laut "Spiegel" soll sie 20.000 Euro sowie die Zusicherung erhalten haben, Unterhaltsleistungen so lange wie nötig zu übernehmen. Damit sollten alle "Ansprüche für Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" abgegolten sein. Außerdem habe sich die Mutter zur Verschwiegenheit über den Fall verpflichten sollen. Das lehnte sie aber ab.

Das betroffene Institut war am Montag nicht zu einer Stellungnahme bereit. Man wolle sich erst am Dienstag dazu äußern, hieß es in einer schriftlichen Mitteilung.

Bisher kein weiterer Fall bekannt

Dem Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren in Deutschland ist ein solcher Fall bisher nicht bekannt. Zwar habe es schon einmal eine Verwechslung der Samen für die künstliche Befruchtung gegeben, sagte der Vorsitzende Ulrich Hilland. Im aktuellen Fall müsse aber die befruchtete Eizelle eines anderen Paares vertauscht worden sein. "Das ist eine Horrorversion für alle Beteiligten", sagte er. (APA, 16.7.2013)

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