Abtreibung nicht teurer als 300 Euro

16. Juli 2013, 09:47
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Kostengünstige Abtreibung in Spitälern und Ambulatorien könnten unsichere Abtreibungen verhindern

Wien - Mehr Qualitätskontrolle und angemessene gesetzliche Regelungen fordert der Österreichische Frauenring (ÖFR) angesichts der jahrelangen unsachgemäßen Durchführung von Abtreibungen durch eine Wiener Ärztin.

Staatliche Kostenregulierung gefordert

Der Grund, weshalb Frauen Schwangerschaftsabbrüche abseits von Spitälern oder Ambulatorien durchführen lassen, seien in erster Linie die Kosten. Die Frauenaktivistinnen fordern deshalb schon seit Jahren eine staatliche Kostenregelung. "300 Euro müssten hier die absolute Obergrenze sein. Finanzielle Gründe dürfen nicht dazu führen, dass Frauen keine professionelle ärztliche Betreuung bekommen", erklärte Christa Pölzlbauer, Vorsitzende des Dachverbandes österreichischer Fraueneinrichtungen, am Dienstag in einer Aussendung.

Weiters fordert der Frauenring: Eine rasche, unbürokratische Terminvergabe und - falls gewünscht - Anonymität für die Patientin. Die Durchführung müsse den neuesten medizinischen Standards entsprechen und unter besten hygienischen Verhältnissen stattfinden. Zudem solle zwingend eine Nachbetreuung gewährleistet sein - wenn erforderlich, auch eine psychische Betreuung.

Schwangerschaftsabbrüche als Teil gynäkologischer Ausbildung

Auch auf Ebene der ärztlichen Ausbildung sieht der Frauenring Verbesserungsbedarf: Die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen sollte Teil der gynäkologischen Ausbildung sein. Gesetzlich müse verankert werden, dass Abbrüche nur von ÄrztInnen mit spezifischem Ausbildungswissen durchgeführt werden dürfen. "Derzeit ist nur vorgeschrieben, dass ein Arzt bzw. eine Ärztin den Abbruch durchführen muss. So gesehen könnte dann ja jeder Zahnarzt einen Abbruch durchführen", kritisierte Pölzlbauer.

Bundesweite Regelung im Krankenanstaltengesetz

Ein Problem sei weiters, dass derzeit LeiterInnen von öffentlichen Spitälern selbst entscheiden können, ob Schwangerschaftsabbrüche in ihren Spitälern durchgeführt werden. In Tirol gibt es derzeit deshalb kein öffentliches Spital, das Abbrüche durchführt. Der Frauenring fordert eine bundesweit einheitliche Verpflichtung öffentlicher Spitäler, auf ihren gynäkologischen Stationen Schwangerschaftsabbrüche anzubieten. Ein entsprechendes Gesetz sei im Kranken- und Kuranstaltengesetz zu verankern. Abschließend betonte Pölzlbauer: "Im 21. Jahrhundert muss jede Frau in Österreich das Recht auf einen Schwangerschaftsabbruch zu leistbaren Preisen und unter einwandfreien medizinischen Bedingungen haben". (red, dieStandard.at, 16.7.2013)

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