Chef von Drogenkartell "Zetas" verhaftet

16. Juli 2013, 19:16
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Nach Verhaftung des Capos der gefürchteten Zeta-Bande Angst vor neuer Gewaltwelle

 Mexiko-Stadt/Wien – Miguel Ángel Treviño Morales, alias "Z-40" gilt als einer der einflussreichsten Drogenbosse Mexikos. Umso größer ist der Erfolg, den Präsident Enrique Peña Nieto jetzt vorweisen kann. In der Nacht auf Dienstag nahmen Spezialeinheiten der Marine den Capo des berüchtigten Zeta-Kartells fest.

Keine Schüsse bei Festnahme

Ohne einen Schuss abzugeben, wurde Treviño Morales und zwei seiner Begleiter in der Nähe der texanischen Grenze festgenommen. In dem Pickup Truck, in dem das Trio unterwegs war, fanden die Spezialeinheiten außerdem zwei Millionen Dollar (rund 1,5 Mio. Euro) in bar und Waffen.

Der Anführer des Drogenkartells der "Zetas" wurde in Mexiko mit sieben Haftbefehlen gesucht. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, mit dem Mord und dem Verschwinden von 265 Menschen im Nordosten Mexikos in Verbindung zu stehen. Einige der Ermordeten wurden in Massengräbern und auf einer Ranch im Bundesstaat Tamaupilas gefunden.

Kartell agiert auch in den USA

Das Kartell der Zetas ist für seine Brutalität gefürchtet. Seine Mitglieder sind dafür bekannt, ihre Opfer zu enthaupten oder deren Gliedmaßen an Highways zurück zulassen. 2011 sollen sie einen Brandanschlag auf ein Kasino in der nördlichen Stadt Monterrey verübt haben, bei dem 52 Menschen ums Leben kamen.

Das Kartell agierte neben Mexiko auch in den USA, wo es vor allem Waffen und Drogen verkauft. Die US-Behörden setzten deswegen ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Drogenbosses Treviño Morales führen. An der Verhaftung seien sie aber nicht beteiligt gewesen, betonte der sicherheitspolitische Sprecher der  Regierung, Eduardo Sánchez Hernandéz.

Krieg gegen die Kartelle

Mit Treviño Morales geht Präsident Nieto der bisher hochrangigste und meistgesuchte Kartellboss seiner Regierungszeit in die Fänge. In den vergangenen Wochen war der Staatschef vermehrt in die Kritik geraten, weil er zu zaghaft gegen das organisierte Verbrechen vorginge.

Sein Amtsvorgänger, Präsident Felipe Calderón hatte den Kampf gegen die Drogenkartelle noch zu seiner zentralen Aufgabe gemacht. Im März 2009 veröffentlichte seine Regierung eine Liste mit den 37 meistgesuchten kriminellen Bossen Mexikos. Die meisten wurden bereits festgenommen oder in Operationen der Sicherheitskräfte getötet.

Neue Gewaltwelle befürchtet

Doch die daraus folgende Führungslosigkeit der Kartelle, der interne Kampf um die Nachfolge und die Gefechte mit dem mexikanischen Militär gipfelten in einem regelrechten Krieg und ließen zwischen 2006 und 2012 Zentausende Tote oder Vermisste in Mexiko zurück. Kritiker der sogenannten Kingpin-Strategie fürchten deshalb, dass die Verhaftung hochrangiger Drogenbosse wieder in einer Welle der Gewalt enden könnte.

Mexikos Sicherheitssprecher Sánchez Hernandéz versuchte diese Befürchtungen nach der Verhaftung Treviño Morales zu beschwichtigen. Der mexikanischen Zeitung El Universal sagte er, dass kein Fokus auf die Verhaftung von Führungspersonen der Kartelle gelegt werde. "Für uns haben Straftäter keine Kategorie. Wir werden alle verhaften, gegen die ein Haftbefehl vorliegt."

Der wichtigste Drogenboss ist noch auf der Flucht. Joaquin "El Chapo" Guzman ist Anführer des Sinaloa-Kartells und der meistgesuchte Verbrecher der Welt. (Michel Mehle, DER STANDARD, 17.6.2013)

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    Bei einer Pressekonferenz wurde die Festnahme von Miguel Angel Trevino Morales bekanntgegeben.

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