Cécile Kyenge - auch als Ministerin Opfer von Rassismus

Kopf des Tages15. Juli 2013, 23:25
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Die Ärztin Cécile Kyenge ist Italiens Integrationsministerin

Der Anruf des mit der Regierungsbildung beauftragten Enrico Letta kam für Cécile Kyenge Kashetu völlig überraschend. Nur wenige Tage später fuhr die erste schwarze Ministerin in der Geschichte der italienischen Republik im Taxi vor dem Quirinalspalast vor.

Ein offenes Mikrofon verriet kurz vor der Vereidigung die Nervosität der Beamten im Präsidialpalast: "O Dio, wie spricht man denn diesen komischen Namen aus?"  (Auflösung: so wie man ihn schreibt.) Dass Letta den Namen französisch, also falsch, aussprach, irritierte die 49-jährige Augenärztin nicht weiter: Sie weiß rational Nebensächliches von Wichtigem zu trennen.

Viele Italiener hatten den Namen der unbekannten Schwarzafrikanerin noch nie gehört und reagierten vorwiegend mit Neugier auf ihre Ernennung zur Integrationsministerin.

Cécile Kyenge stammt aus Kambove in der rohstoffreichen kongolesischen Region Katanga, wo sie 1964 als Tochter des Ortsvorstehers geboren wurde. "Mein Vater war katholisch, hatte aber nach lokaler Tradition vier Frauen und 39 Kinder", schildert Kyenge ihre Herkunft. Sie studierte zunächst an der Universität Kinshasa Pharmazie und kam 1983 auf Vermittlung eines Bischofs nach Italien, wo sie in einem Kloster in Modena zuerst Italienisch lernte. Dann studierte sie in Rom Medizin und spezialisierte sich an der Universität Modena in Augenheilkunde.

Schon früh begann sie mit dem Einsatz für Mi­granten, 2009 wurde sie für den Partito Democratico ins Provinzparlament von Modena gewählt. Kyenge ist mit dem kalabresischen Ingenieur Domenico Grispino verheiratet und hat zwei Töchter im Alter von 17 und 19 Jahren.

Ihre Schwester Kapya, die einen Teilzeitjob in einem Supermarkt hat und nebenbei als Näherin arbeitet, kann Céciles Aufstieg zur Ministerin kaum fassen: "Ich habe bei der Nachricht vor Aufregung gezittert." Ihre Schwester koche ausgezeichnet Lasagne und Ravioli. "Aber wenn wir nur zu zweit sind, essen wir oft kongolesische Kost wie etwa Huhn mit Erdnüssen."

Kyenge arbeitet für ein Ziel: die italienische Staatsbürgerschaft für alle dort geborenen Kinder – auch wenn die Eltern Immigranten sind.

Rassistische Anfeindungen können sie kaum irritieren. Vor allem der rechten Lega Nord ist die schwarze Ministerin ein Dorn im Auge. Cécile Kyenge bringt das nicht aus der Fassung: "Die Migration bringt Veränderungen mit sich, die viele nicht akzeptieren wollen." (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 16.7.2013)

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